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Leitung der Novitäten und Anfichten.
Theater.
Agram(45. Mai). Wenn ich diesmal mit meinem Theater-Berichte länger im Rükſtande geblieben bin, ſo geſchah es aus der Urſache, um dieſen Artikel eben ſo reichhaltig zu beſpre⸗ chen, als er für die Schauluſt geboten wird. In der That er freuet ſich jezt unſere Hauptſtadt einer bemerkenswer⸗ then Kunſtanſtalt, die durch das ange⸗ nehme Lokale, wie durch die neue Di— rektion des Hru. L. Martinelli Vor⸗ zügliches bietet. Was in der kurzen Zeit, ſeit Oſtern, an neuen Dekora⸗ tionen, geſchmak voller Garderobe und ſonſtigen Verſchönerungen geleiſtet wor⸗ den, verdienet alles Lob; es ward auch in mehreren Darſtellungen durch Her— vorrufen des Direkteurs anerkannt. Er ſelbſt ſpielt nicht, zeichnet ſich aber in der Dekorations-Malerei vortheil— haft aus. Zu den ſchon beſtehenden be— liebten Mitgliedern, dem gediegenen Hrn. Grau; der erſten Liebhaberin, Dem. Gläſer, welche viele Bühnenta⸗ lente beſizt, und ſich in den meiſten Rollen auszeichnet; den beiden gerne geſehenen Ehepaaren Eichwald und Kar— litzty; dem fleißigen Hrn. Julius, nebſt Hrn. Kneuer, Hr. Vroſe und Frau, Hr. Seufert, unſern braven Komiker, Mad. Frank, und dem thätigen Regiſ⸗ ſeur, Hr. Schweigert, iſt Hr. Wal⸗ burg zugewachſen, der in Konverſa— tionsſtüken Genügendes leiſtet, und ſich bereits in mehreren Darſtellungen des Hervorrufens werth gemacht hat. In der Oper iſt Delle. Kunerth als So— pran⸗Sängerin vorzüglich, ſo wie der neue Tenoriſt, Hr. Thalheim, mit einer angenehmen Stimmlage und de—⸗ zentem Spiel. Hr. Leſer iſt ein bra⸗ ver Bariton; im Vortrag des Muſſka⸗
liſchen, wie im Spiel, zeichnet er ſich aus. Die Opern:„Zampa““,„Fra Diavolo“,„der Babier“ waren ſebr gut beſezt und gefielen ungemein. Die Gaſtſpiele der rühmlichſt bekannten Ma dam Raimund aus Wien gewähren den Freunden der Lokal⸗Stüke beftiedigen⸗ den Genuß; ſelbſt als Zerline in„Fra Diavolo“ wußte ſie ſich durch kunſtge⸗ rechten Vortrag Beifall zu erwerben. Zum erſten Debut der Direktion ward das vom Hoftheater rühmlichſt bekannte Drama„Mariana“ gegeben; das fol— gende neue Stük war„Lorbeerbaum und Bettelſtab“, worin Hr. Grau, in der Rolle des Dichters, einer andern Anſicht als, der des Verfaſſers folgend, ſeiner Darſtellung eine originelle Fär⸗ bung gab, und ſich damit Beifall er⸗ warb, da ohnehin das ganze Stük nur in dieſer einzigen Rolle ſich bewerthet. Schweigert's vaterländiſches Schauſpiel, „die Magdalenen-Grotte“, ward neu⸗ erdings zwei Mal gegeben, und erhielt durch einige zwekmäßige Abänderun⸗ gen geſteigerten Beifall. Dieſes Stük füllt immer das Schauſpielhaus. Wir machen auswärtige Direktionen darauf aufmerkſam. Die höchſt originelle Hoch— zeitsfeier, wobei der Verfaſſer dem wirklichen Gebrauche treu folgte, die intereſſante Thatſache der Selbſtbe⸗ freiung der Mannſchaft aus Glogau, das kleidſame Koſtum der Grenzbewoh⸗ ner, der Hochzeitszug meiſt auf Pfer⸗ den, wie ſolcher bel ihnen ſtattfindet, werden in jeder Hinſicht Intereſſe er⸗ regen und die Schauluſt befriedigen. Auch muß das Verdienſt des neuen Ka⸗ pellmeiſters, Hr. Turany aus Preß⸗ burg, erwähnt werden, der durch Prä— ziſion die muſikaliſchen Produktionen in die nothwendige Potenz ſtellt, wodurch die Oper erſt ihren ganzen Glanz er— hält. Hr. Martinelli bringt ſeinem Be⸗


