Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
331
 
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konnten nicht einen Schritt weit ſehen, aber wir hörten ein Geräuſch von Schritten auf dem Raſen, die uns näher kamen.

Der einſame nächtliche Wanderer war nichts als ein Eſel, den irgend ein ſparſamer Bauer in dem Kirchhofe eingeſchloſſen hatte, der Diſteln ſuchte und dabei bis zu uns gekommen war. Unſere Lage war zu ernſt und wir hat⸗ ten zu viel Eile, um die geringſte Anwandlung von Lachen zu fühlen. Gott weiß, mit welchen Beiwörtern Bob das arme Thier überhäufte und wie viel Zeit wir brauchten, um ihn zu vermögen, die Arbeit wieder zu beginnen. In weniger als einer halben Stunde kamen wir auf den Sargdekel und wir leg ten Strike an, um ihn heraufzuziehen. Neuer Schreken! Es ging ein Menſch, wir hörten eine menſchliche Stimme. Erſchrekt legten wir uns auf die Erde nieder und warteten in einer leicht begreiflichen Angſt. Fünf bis ſechs Minu⸗ ten vergingen; alles wurde wieder ſtill und wir athmeten freier. Der ſchrek lichſte Theil unſers Unternehmens war noch nicht gethan; wir arbeiteten mu thig daran. Nachdem wir uns überall umgeſehen, ſezten wir die Werkzeuge an um den Sargdekel abzuheben. Bald ſiel ein Strahl des Mondes auf die arme Bewohnerin des lezten Hauſes des Menſchen; wir hoben ſie bereits em⸗ por, als Ernſt ſie ſinken ließ und ſagte:Da ſind ſie!

Seine Hand, die er auf meine Achſel legte, zitterte heftig; ich blikte nach der angedeuteten Richtung hin und ſah nur zu deutlich einen Mann, oder gar zwei, leiſe längs der Mauer herkommen.

Wir ſind entdekt, ſagte ich ſo ruhig, als ich vermochte.

Sie werden uns ermorden, entgegnete Ernſt.

Borge mir ein Terzerol, ſagte Merival,daß ich wenigſtens eine Kugel zu meiner Vertheidigung habe.

Bob hatte unſer Geſpräch gehört, und eine unbeſchreibliche Angſt be⸗ mächtigte ſich ſeiner. Ich glaube, ich hätte ſelbſt in dieſem Augenblike gern über ſeine kleinen glühenden Augen, ſeine rothe, aufgeſtülpte Naſe, welche der Mond verſilberte und ſeinen halbgeöffneten Mund gelacht, der eine dop⸗ pelte Reihe weißer Zähne ſehen ließ, welche klappernd auf einander ſchlugen.

Still! Still! flüſterte ich, indem ich den Hahn meines Terzerols auſ zog. Merival that daſſelbe. Selbſt der Mond ſchien gegen uns Partei zu er⸗ greifen, indem er uns die wenige Helle nahm, welche er uns bisher ſo ſpar⸗ ſam zugetheilt hatte. Ehe er ſich hinter dem Wolkenvorhange verk roch, zeigte er uns noch zwei Männer, welche in entgegengeſezter Richtung hinſchritten.

Wir ſind umringt! meinten zwei von uns. 7

Wir richteten uns in völliger Dunkelheit auf.

5Wo ſind Sie? rief eine grobe Stimme,ich habe Sie geſehen. Ach, hier, hier. Antwortet!.

Wir ergriſſen alle die Flucht und entfernten uns nach verſchiedenen Nich tungen hin, wie die Schrote, welche aus dem Flintenlaufe herauspfeifen. Ich hörte einen Schuß, ſprang, ohne zu wiſſen wohin, über die Gräber, ſtieß auch häufig an einen Leichenſteln, wurde von einem Menſchen verfolgt, fühlte den Athem deſſelben auf meinen Schultern, wußte aber nicht, ob es ein Freund oder ein Feind ſei. Endlich kam ich an ein Gatter, das mich aufhielt; ich ging um daſſelbe, fand es auf zwei Seiten offen, trat hinein und verſtekte mich hinter einen großen Leichenſtein darin. Ich hörte meinen Verſolger nicht