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ſik von Marliani, iſt eine tüchtigere und tiefere Arbeit, als ſie die italie⸗ niſchen Meiſter gewöhnlich zu liefern pflegen.— Sie verbindet Charakteri— ſtik mit Anmuth und Lieblichkeit, er⸗ fordert aber zu deren Durchführung bedeutende Kräfte. Die Darſtellung rundet ſich mit jeder Vorſtellung mehr ab, gewinnt an Zuſpruch, und hat ſich bereits die Gunſt aller Muſiker und Muſik freunde erworben. Man kann nicht gediegener und korrekter ſingen als Mad. Kraus⸗Wranitzki, nicht kräftiger und wirkſamer als Hr. Mellinger, und nicht anmuthiger und lieblicher als Hr. Kreipl). Die Theaterdirektion ver- dient ſomit unſern wärmſten Dank, daß ſie uns mit dem erſten Werke Mar⸗ liani's, einem nicht gewöhnlichen Ta— lente, bekannt machte, das ſicher ohne ſie in Wien uns fremd geblieben wäre. — Die nächſte Neuigkeit ſoll„Bea trice di Tenda“ von Bellini ſein.— Hr. Raimund hat ſeinen Gaſtrollen⸗ Ciklus auf der Leopoldſtädter Vühne geſchloſſen, und gedenkt den Sommer über zu Guttenſtein auf den geſammel⸗ ten Lorbern auszuruhen. Nemetz.
*) Stimmt mit dem Verichte unſers andern Korreſpondenten, im vori— gen Blatte, nicht überein. R.
Aliszellen.
Konſtantinopel. Hier geht die„Ziviliſation“ mit Rieſenſchritten vorwärts. Es gibt bei Hof keinen Mu⸗ ſelmann mehr, der ſich noch ein Ge— wiſſen daras machte, gegen das Verbot des Propheten Wein zu trinken. Den Champagner nennen ſie franzöſiſches Bier und gehen ſo um das Geſez her— um. Zudem hat ein Ulema auf den Wunſch Sr. Hoheit, aus dem Koran
bewieſen, daß ſich der Weinverbot nur auf das Morgenland erſtreke, wo es gegeben worden; ſeit ſich aber die Tür⸗ ken als Gäſte in dem Welttheil der Ungläubigen niedergelaſſen, habe der Prophet nichts dagegen, wenn ſie auch abendländiſche Kunſterzeugniſſe genö— ßen. 7 D. München. Ein junger Münch⸗ ner Herr ſchrieb neulich drei Liebes— briefe auf Einmal an drei verſchiedene Frauenzimmer. Der erſte dieſer Briefe begann:„Verehrungswerthe Sophie!“ der zweite:„Liebenswürdige Amalie!“ und der dritte:„Theuerſte, innigſt— geliebte Louiſe!“— Ein Fremder, der gerade bei ihm war, fragte, warum er denn ſolch einen Unterſchied in der Anrede mache.„Dummer Teufel,“ antwortete jener,„die erſte hat 4000, die andere 8000 und die dritte 12,000 Gulden Heirathsgut!“ G.
Brüſſel. Ein junger Bauer⸗ burſche von ungefähr 25 Jahren, ſchreibt man aus Antwerpen, kam kürzlich aus der Nähe in die Stadt, und erklärte der verwittweten Madame D., daß er ihr Sohn ſei, daß die, welche er bis dahin für ſeine Mutter gehalten, auf dem Sterbebette dies Geſtändniß gethan habe, und zwar vor dem Pfarrer des Ortes und drei andern Zeugen. Sie erklärte gegen dieſelben, Madame D. habe ihr ihren zweiten Sohn zur Er— ziehung übergeben, aber ihren(der Bäuerin) Sohn dafür zurükerhalten, indem ſie den andern Knaben behalten, welcher bis dieſen Augenblik nichts von dem Geheimniſſe gewußt. Der junge Bauerburſche hatte in ſeiner Freude nichts Eiligeres zu thun, als zu ſei— ner Muttee zu eilen, ohne erſt Je— mand vorher um Rath zu fragen. Im Anfange wurde er ziemlich ſchlecht em⸗ pfangen und zurükgewieſen, jezt aber kann man ſich nicht mehr täuſchen, der


