Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
328
 
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Burſche ſieht dem älteſten Sohne der Mad. D. zu ähnlich, als daß er nicht das Herz der unglüklichen Mutter er⸗ ſchüttert haben ſollte, die, wie man verſichert, ihn als dritten Sohn an nehmen will. Sie hatte bis dahin nur zwei Kinder, den älteſten Sohn und jenen, den die Amme ausgetauſcht, über den ſie ſich aber nie zu beklagen gehabt hat, den ſie alſo auch nicht ver⸗ ſtoßen will. S. Paris. Zu Compiegne entleibte ſich kürzlich ein Knabe von 15 Jahren, weil er die zu Muſikübungen vorge- ſchriebene Zeit mit Spielen zugebracht hatte, und deshalb von ſeinem Vater Vorwürfe und Züchtigung fürchtete. B.

Der Modenkurier.

(Paris, 5. Mai. 1855.)

Nichts Neues unterm Sonnenlicht; Doch neu heist, was die Mode ſpricht!

1. Ueber die Form der heurigen Hüte können wir nun beſtimmte Auskunft geben. Sie ſind größer als im vorigen Jahre; der Schirm iſt nach Geſchmak mehr oder weniger offen; die Formen ſind hoch und die Bavolets tief herabgehend. Man gibt weniger Blumen als verfloſſenen Winter unter den Schirm, und dieſe auch nur bei Puzhüten.

2. Die ſchottiſchen Kapoten machen un erhörtes Glük; jene mit grünen und weißen Viereten ſind unſtreitig die beliebteſten. Die Halbſchleier von Tulle, die an den Rand des Schirms genäht ſind, ſind immer in großem Schwange. Schleier ganz von Ganze ſieht man blos auf Reisſtrohhüten. Was die leztern betrifft ſo verkauft man in der Passage du Caire ſehr paſſable von chinirtem Stroh zu 40 Sous(etwa 45 kr. C. M.). Sie ſind ſehr geeignet, um damit Morgens auf das Land zu eilen, und man zweifelt nicht, daß ſie eine große Anzahl Liebhaber finden werden.

3. Die gezogenen Kapoten werden ſich wenigſtens über das Frühjahr erhalten. Sie ſind ſehr grazios, beſonders jene mit ſchotti ſchen Viereten; aber es iſt ſchwer einer Mo

de eine längere Dauer vorauszuſagen, die ſich ſo leicht populariſirte. Daſſelbe Schikſal trifft die ſogenannten Capotes écrues, welche indeſſen doch zu unſern bequemſten und artig⸗ ſten Sommermoden gehören. um ſie ausge zeichnet zu machen, verfertigt man ſie, an ſtatt von Batiſt, von ecrufarbigem Gros de Naples; dann ſtattet man ſie mit ſchottiſchen Bandſchleifen und mit einem reichen Futter von roſenrothem Gros de Naples aus. Mit allen dieſen Zuthaten läßt ſich hoffen, daß ſie über den Sommer Beſtand haben werden.

4. Man verfertigt viele kleine Bonnets von Mouſſelin, mit Bärten von geſtiktem Mouſ⸗ ſelin, ſtatt der Bindbänder.

5. Die kleinen Deſſins find ſehr in der Mode; je zarter ſie ſind, je mehr vorgezogen ſie werden; aber dieſer Geſchmak ſchließt doch nicht jene Deſſins mit großen Aſtwerken ze. aus. Man ſicht auch welche mit ſehr breiten farbigen Streifen auf weißem Grunde, mit Bouquets, die auf den weißen Linien ver theilt ſind.

6. Unter den ausgezeichnetſten Klei dern, welche wir bemerkten, führen wir ei nes von ziemlich originellem Geſchmak an. Es war ein ueberrok von koͤnigsblauem Satin d' Afrique mit grünen Schnürchen umgeben.

7. Man verfertigt auch Kleider von vielgeſtreiften(mille raies) Stoffen, wor auf Querlinien Viereken bilden. So ſahen wir ein Gros de Naples-Kleid mit ſtrohfar⸗ bigem Grunde und ſchwarzen Streifen, wor auf eine breite, ſchwarz ſatinirte Linie das Schottiſche bildete. Der Stoff war ſcharmant.

8. Die Manchetten ſind unerläßlich zu allen Arten der Toilette.

9. Die geſtikten Kragen tragt man groß und klein, rund und vierekig, mit klei⸗ nen oder hohen Garnirungen; Alles iſt zu läßlich und man darf keine Revolution in den Formen befürchten; man nimmt Alles an.

Modenbil d. Nr. 21.

Pariſer promenadenanzüge vom 5. Mai. Kapote von Gros d' Italie mit einem Schleier von glatten Seidenſpizen. Kleid von brochirtem und quadrillirtem Poult de Soie. Pelerine von glattem Organdie mit kleinen Spizen garnirt. Bandſchleifen auf den Schultern. Die ſizende Dame zeigt dieſen Anzug von der Rükſeite

Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.