Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
326
 
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Vortgang, aber nur mit mäßigem Bei⸗ fall, nie ohne Oppoſition und bei we⸗ nig beſuchtem Hauſe. Es läßt ſich nicht läugnen, daß ſie auf das, was ſie vor⸗ führt, vielen Fleiß verwendet, manches ganz anders geſtaltet, als man es frü⸗ her hörte, und einige ihrer Glieder, namentlich die Damen ausgezeichnet ſind, allein die Totalität derſelben iſt denn doch nicht der Art, um den For derungen zu genügen, die die Entree gebühr zu ſtellen berechtiget iſt. Man kann demnach das Publikum, das die Leiſtungen dieſer Geſellſchaft mit den Eintrittspreiſen nicht auf gleicher Höhe findet, keineswegs ein hartes oder un⸗ gerechtes nennen, denn allerorts pflegt die Güte der Waare ihren Werth zu beſtimmen, und das Ausbieten des Mit⸗ telgutes für erſte Qualität, als ein Schacher zu gelten. Wie man hört, ſol⸗ len auch in der That die Preiſe ermä⸗ ßiget und mit den Leiſtungen der Ge ſellſchaft auf ein gleiches Nibeau ge⸗ bracht werden. Am 16. d. wurde in dieſem Theater von der italieniſchen Operngeſellſchaft, zum Vortheil der Sängerin Strepponi,La Sonambula gegeben, und zwar mit ſehr getheil⸗ tem Beifall. Im 1ten Akte ließ man das bekannte ſchöne Duett zwiſchen Elvino und Amina ganz binweg, und im 2ten Akte gelang es Niemand, je⸗ nen Antheil zu erregen, deſſen ſich dieſe Oper auf einer andern Bühne erfreuet. Die Theaters in der Leo poldſtadt und der Vorſtadt Wien leiern fortwährend denVerſchwender und denEulenſpiegel und machen damit gute Geſchäfte; weniger Er⸗ ſpriesliches in Hinſicht der Einnahme läßt ſich von jenem der Joſephſtadt ſa⸗ gen, obgleich dieſe Bühne die meiſten Novitäten liefert, ſie verſtändig und anſtändig ausſtattet, alles Gemeine von ſich fern hält, und nur nach dem Beſ⸗ ſern trachtet. Das Publikum ſcheint

dieſe Anſtalt nach einem zu hohen Maß⸗ ſtab zu bemeſſen, und an ſie Forderun⸗ gen zu ſtellen, die mit der Unterſtü⸗ zung, die ihr von Seite ihrer Veſu cher wird, in keinem Verhältniſſe ſte⸗ hen. Man legt ihrem Streben dadurch, daß ſie Piecen gibt, die ſpäter auch auf anderen hieſigen Bühnen erſcheinen, Abſichten unter, die ihr gewiß fremd ſind, denn es kann ihr, als einer Pri⸗ vatanſtalt, die nebſt anderen Hinder niſſen hauptſächlich mit einer ſehr un⸗ günſtigen Lokalität zu kämpfen hat, nicht bei fallen, mit Bühnen zu rivali⸗ ſiren, deren Kräfte, ohne anderer Vor theile zu gedenken, eine reiche Dota tion ſtählt, und nur ein Schau ſpiel oder ein Opernperſonale zu halten ver anlaßt ſind. Sie will durch Neuheit unterhalten und durch Abwechſelung und appellirt an die Billigkeit ihres Pu⸗ blikums, damit es den Nachtheil nicht aus dem Auge verliere, in welchem ſie zu Anſtalten ſteht, die Lokalität und Zuſchüſſe begünſtigen, und auf das Verhältniß der Leiſtungen ihrer Ve ſucher gegen jene Schaubühnen, mit denen auf einer Linie ſich reihen zu wollen, man unbilliger Weiſe ihr zu⸗ muthet. Aus den vielen Beiſpielen, wie hoch die Anforderungen eines Theils des hieſigen Publikums an dieſe Bühne geſtellt ſind, und wie die Leiſtungen det engagirten Individuen beſchaß⸗ fen ſein müſſen, heben wir nur das aus, daß der Beifall, welcher der rühm lichſt bekannten Sängerin Delle. Sche beſt bei ihrem hieſigen Gaſtſpiele zu Theil wurde, nur ein prekärer war, und daß der, als einer der vorzüglich⸗ ſten und tüchtigſten Tenoriſten Deutſch⸗ lands genannte Münchner Hofſänger Beier ſein Gaſtſpiel nach zweimaligem Auftreten gänzlich einſtellte, weil er ſich keiner beifälligen Aufnahme er⸗ freute. Die auf dieſem Theater gege⸗ bene neue Oper:Der Bravo, Mu⸗