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gen Winde und den engen Gaſſen die— ſer Vorſtadt, richtete die Vranſt auch hier bedeutende Verheerungen an. Meh— rere Häuſer wurden zerſtört und die Einwohner derſelben konnten nur mit äußerſter Gefahr und Aufopferung der Helfenden gerettet werden. Möge Gott ſeinen beſten Segen auf die Häupter der Edlen ausſchütten, die bei dieſen beiden Gelegenheiten ihre Menſchen— freundlichkeit und ihren Muth ſo ſchön bewährten!— Sonntag, den 10., brann⸗ te Stuwer ſein erſtes diesjähriges Feu⸗ erwerk ab. Der Titel:„Oeſterreich's Sonne“ belehrte ſchon im Vorhinein über die Tendenz dieſes Schauſpieles. Des Kaiſers erhabener Namen prang⸗ te im herrlichſten Farbenſpiele in jeder Fronte, und dieſe ſinnige Idee und die geſchmak volle Ausführung des Ganzen riß das ſehr zahlreich verſammelte Pu— blikum zu lautem Beifalle hin.— Mad. Crelinger entzükt noch immer das ge⸗ bildete Publik um.— Herr Staudigel ſang bei Gelegenheit eines im Hof— operntheater gegebenen italieniſchen Opernſzenen-Potpourri's mit Sr. Car— tagenova ein mittelmäßiges Duett. Die koloſſale Stimme unſers deutſchen Künſtlers erdrükte das welſche Kind⸗ lein, daß es nur mehr ſtöhnen und ächzen(2) konnte. Rauſchender, wohlver— dienter Applaus lohnte Herrn Stau— digel für dieſe That.— Dienſtag, am 12., gab man im Theater in der Joſephſtadt zur Veneſize unſers lieben Gaſtes, der Mad. Kraus⸗Wranitzky den „Bravo“ zum erſten Male. Die Oper iſt gut, nur müßte man ſie öfter hö— ren. Die Benefiziantin ſang wie eine Nachtigall, Herr Mellinger ſchlug wie eine Wachtel, und Hr. Kreipl kreiſchte wie ein Pfau. Wir können der thäti⸗ gen Direktion dieſer Bühne nichts herz⸗ licher wünſchen, als— Sänger.— Im Theater in d. Leopoldſtadt erſchien Albini's:„Kunſt und Natur“. Die
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Männerrollen waren gut beſezt und wurden, eiviger Gedächtnißfehler nicht zu erwähnen, mit Eifer und Erfolg ge⸗ ſpielt. Dell. Peroni als Polixena war ſehr weinerlich, und, eine Szene im zten Akte ausgenommen, durchgehends mittelmäßig. Delle. Schadetzki, Kom⸗ teſſe, hatte ſchlecht memorirt, und trug das Memorirte ſchlecht vor.— Neſtroy's „Eulenſpiegel“ macht noch immer volle Häuſer. Adiaphoros.
Miszellen.
Gran. Was für Unglük der böſe Leumund herbeiführen kann, lehr⸗ te die leidige Erfahrung auch in einer Ortſchaft der Graner Geſpannſchaft. Ein Profeſſioniſt bewarb ſich um die Hand eines ehrbaren Bürgermädchens. Dieſes war geneigt, ſie ihm zu geben, als es aber von ihm manches Nachthei⸗ lige erfuhr, gab es ihm eine abſchlägige Antwort. Bald darauf bewarb ſich ein Anderer um das Mädchen, und dieſes verſprach, ihn zu heirathen, da er all⸗ gemein im guten Rufe ſtand. Als dies der verſchmähte Liebhaber erfuhr, trieb ihn die Rachſucht an, ſich zu dem zwei⸗ ten zu verfügen und ihn unter dem Vorwand, das Mädchen ſei lüderlich, abzureden, daſſelbe zu heirathen. Die⸗ ſer zog ſich nun von dem Mädchen ganz zurük und vertraute ſeine Gründe ei⸗ nem bejahrten Frauenzimmer an. Die⸗ ſes ging zu dem Mädchen, und erzähl— te ihm dies. Das Mädchen, das gerade mit häuslicher Arbeit beſchäftigt war, ging ins Zimmer, hing ein Halstuch um, eilte zur Donau und ſtürzte ſich in dieſelbe, um jene Verleumdung nicht zu überleben. Dies geſchah noch im Februar. Erſt vor Kurzem fand man in weiter Entfernung den todten Kör— per des unglüklichen Mädchens. Der Verleumder hat ſich geflüchtet. R.


