Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
318
 
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Ringen überwinden ſollte. Ein gewiſſer Stella, wie es ſcheint auch ein Oymnaſtiker, hatte den Muth, ihn öffentlich heraus zu fordern; aber gleich einem Löwen trat Dupuis in die Schranken und warf ſeinen Gegner ſlegreich zu Boden. Dies geſchah im Freien, bevor noch Hr. Dupuis auf dem Theater erſchien. Morgen, den 14., iſt die dritte und lezte Vorſtellung dieſes merkwürdigen Herkules, worauf er ungeſäumt ſeine Reiſe nach Veſth fortſezt, um auch daſelbſt das Publi kum in Erſtaunen zu verſezen. L. K.

Wien(15. Mai). Ottokrin, ein anſehnliches Dorf nächſt der Herr nalſer⸗Linie, am Fuße des Galizienber⸗ ges, ward Montag, den 11., von einer furchtbaren Feuersbrunſt heimgeſucht. Sonntag vorher noch der Tummelplaz tauſend fröhlicher Menſchen, die durch die freundliche Lage des Ortes, und die vielen Gaſthäuſer angezogen, ſich an Sonn⸗ und Feiertagen hier in Un zahl einfinden, war es 24 Stunden darnach der Schauplaz des höchſten Elends. Um 10 Uhr Morgens brach die Flamme aus, der Sturmgloke eher ne Zunge rief mit heulender Stimme zur Rettung, und pfeilſchnell eilten Feuerſprizen und Menſchenmaſſen zur Hilfe herbei. Aber ein fortwährender heftiger Wind trat mit dem furchtba ren Elemente in den Bund, fachte ſei ne Wuth immer heftiger an, und ſo lagen binnen 5 Stunden mehr als 60 Häuſer in Schutt und Aſche. Von den Bewohnern und den zur Rettung Her zugeſtrömten büßten mehrere Perſonen das Leben ein, theils durch den Rauch erſtikt, theils durch umſtürzende Mau⸗ ern und herabfallende Balken zerſchmet tert. So heftig und unbezähmbar wü⸗ thete die Brunſt, daß es den Unglük⸗ lichen ſchlechterdings unmöglich ward, auch nur das Geringſte ihrer Habe zu retten und ſie ſich noch obendrein

glüklich ſchäzen mußten, wenn ſie ihr und der Ihrigen Leben gerettet ſahen. Waſſermangel und Schindeldächer mach ten die muſterhafteſten Rettungsverſuche ſämmtlicher Löſchanſtalten, und dem an⸗ geſtrengteſten Eifer der menſchenfreund⸗ lichen Hilſebeiſtehenden zu nichte! Moͤch te doch dieſes neue traurige Ereigniß alle Hausbeſizer auf die unbere⸗ chenbare Wohlthat derBran d⸗ ſchaden-Verſicher ungs⸗An⸗ ſt alten aufmerkſam machen, da lei⸗ der auch hier wieder viele der Verun

glükten den Schuz und die Hilfe die⸗

ſes ſchönen Vereins aus übelberechne⸗ ter Oekonomie verſchmähten! Wenn uns das Elend und Unglük unſerer armen Mitbrüder mit Theilnahme und Trauer erfüllt, ſo müſſen wir um ſo mehr Abſcheu fühlen, wenn wir die Urſache dieſes ſchrekensvollen Ereigniſ⸗ ſes betrachten. Ein aus dieſem Dorfe geborner u. bei Gelegenheit der der maligen Rekrutirung zum Militär ge⸗ nommener Bauernburſche wollte durch gräßliches Mordbrennen ſich an ſeinem Geburtsorte rächen, deſſen Ortsrichter der Parteilichkeit bei Ablieferung der Rekruten beinzichtigte, und leider ge⸗ lang ſein Plan nur zu gut. Er iſt jedoch bereits eingezogen worden, um die ge rechte Strafe für den großen Frevel zu erleiden. Tröſtend iſt der Umſtand, daß Ottokrin ſo nahe der Stadt gele gen, wo nun täglich ganze Scharen von Mitleidigen hinausſtrömen, um mit milden Spenden das augenblikliche E⸗ lend zu verringern. Was an Bier- und Weinvorräthen gerettet wurde, ſchleppten Tags darauf die Einwohner Ottokrins auf die Felder hinaus, und da wird nun ſogar aus Mitleid und Wohlthätigkeit getrunken. Um die⸗ ſelbe Zeit brach auch in der Vorſtadt St. Ulrich Feuer aus. Bei dem Um⸗ ſtande, daß faſt alle Feuerſprizen nach Ottokrin geeilt waren, bei dem hefti