Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
317
 
Einzelbild herunterladen

317

Coneille in ſeinem 70. Jahre.

Man hat einen im Jahr 1679 geſchriebenen Brief eines Mannes bon Rouen gefunden, der den damals 70 Jahre alten Corneille in Paris beſucht hatte.Ich habe geſtern unſern Verwandten geſehen, ſchreibt der Mann, er befindet ſich nach ſeinem Alter recht wohl. Wir gingen mit einander nach dem Mittagseſſen aus, und unterwegs trat er in eine Bude, um ſeine Schuhe ausbeſſern zu laſſen, deren Nähte aufgegangen waren; er gab die drei kleinen Geldſtükchen dafür, welche er beſaß. Nach der Rükkehr bot ich ihm meine Börſe an, aber er ſchlug ſie aus. Ich weinte, daß ein ſo großer, berühmter Mann in ſolchem Elende ſchmachtet.

Leitung der Novitäten und Anfichten.

Theater.

Paris(30. April). Von der Deputirtenkammer begab ſich am 28ſten die ſchöne Welt ins Tlieatre frangais, wo das neue Stük von Victor Hugo: Angelo von Padua, zum Erſtenmale aufgeführt wurde; ein Ereigniß für die hieſigen poetiſchen Partheien. Da zu kam noch, daß die beiden bedeutend⸗ ſten Schauſpielerinen, die Mars und die Dorval, mit einander wetteifernd darin auftraten. Das Stük wurde, wie zu erwarten, von den anweſenden Klaſſikern angefeindet, von den Freun den Hugos dagegen unmäßig beklatſcht; leztere brachten auch in der That durch die Energie ihres Beifalls die Gegner des Stükes zum Schweigen. Was je doch wirklich an dem Stük ſei, kann man aus allen dieſen Partheikämpfen nicht abnehmen, da es hier nichts we niger als den unmittelbaren Gegen ſtand gilt. Die Unbefangenen jedoch und Alle, die zwar aufrichtigen Antheil an der Erneuung des poetiſchen Lebens in Frankreich nehmen, aber ihre Au gen aus Partheigeiſt nicht gegen das Fehlerhafte der neuen poetiſchen Schule verſchließen, ſind der Meinung, daß Hugo in dieſem Stük weit hinter den

davon gehegten Erwartungen zurükge blieben ſei, und völlig Fiasko gemacht haben würde, wenn es ſein erſtes De⸗ büt wäre, und er nicht ſchon eine ganz organiſirte Parthei hätte, welche Alles vertheidigt, was er nur ſchreibt. Wie geſagt, der Lärm war nur äußer lich, und einen tiefern Eindruk hat das Stük ſelbſt nicht bei den erklärten AnhängernHugo's hervorzubringen ver mocht, ſie ſchreien nur, um ihren Geg⸗ nern Recht zu geben. V.

Rorreſpondenz.

Raab(13. Mai). Der berühmte ſogenannte Athlet Jean Dupuis, der bereits in den erſten Städten Eu⸗ ropas durch ſeine unglaublichen und unerhörten Leiſtungen ſo viel Aufſe⸗ hen erregte, befindet ſich, auf ſeiner Durchreiſe nach Peſth, in hieſiger Stadt und hat auch hier hinſichtlich ſeiner ſtaunenswerthen Kraft den ihm voran⸗ gegangenen Ruf nicht nur beſtätigt, ſondern bei weitem übertroffen. Merk⸗ würdig iſt die Muskulatur dieſes Her⸗ kules; ſeine Stärke unbeſchreiblich; ſeine Stellungen ſchön und majeſtätiſch. Gleich bei ſeiner Ankunft ſezte er ei⸗ nen Preis von 1000 fl. C. M. für Den⸗ jenigen aus, der ihn im gymnaſtiſchen