Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
316
 
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wirſt, Dominica, ſagte Raphael, nur kein ſolcher Bauernlümmel wäre, ſo würde ich mich weniger grämen.Ach, erwiderte Dominica, und wenn du dich auch minder hart über ihn äußerteſt, ſo bliebe doch immer noch genug an ihm zu tadeln. Der Vater ſagt, er ſei geſchikt; ich wollte, er wäre es weniger und gliche mehr dir, Raphael. Er kann nicht ohne Stottern mit mir ſprechen, und wenn er mich verliebt anblikt, ſo kommt er mir vor wie eine Kaze, die nach zweitätigem Faſten nach einer jungen Maus ſchielt.Du biſt zu nachgibig, Dominica; warum ſagſt du ihm nicht rund heraus, daß er ein Tölpel iſt, den du nicht ausſtehen kannſt?Nein, Morghen; es iſt meines Vaters Wille, und der, fär den ich allein lebe, ſoll nie durch ſein Kind gekränkt werden. Ich will ihm gehorchen; nie ſoll Antonio erfahren, wie ich von ihm denke, und bin ich mit ihm verbunden, ſo will ich thun, was ich vermag, um ihm zu gefallen. Ach warum hat er doch weniger Gefälliges in ſeinem Betragen als der Bäkergeſell, der ſich dort über die niedere Mauer lehnt und der meinem Mädchen den Hof macht. Es heißt, Canova ſei ein Bauer aus Baſſano, ach, warum iſt er es nicht geblieben!Ach ja wohl, wäre er es nur geblieben, antwortete der vermeinte Bäkergeſell, indem er ſich um⸗ drehte, ſeinen herabgekrämpten Hut abnahm und Canova's Züge ſehen ließ, dann hätte er ſich die bittere Kränkung erſpart, von der ſich verſpotten zu hören, die ihm theurer iſt als ſein Leben. Und dennoch, Dominica, habe ich keinen Groll auf dich, denn es iſt gut, daß ich erfuhr, wie du denkſt, ſo lange es noch Zeit war. Gib mir deine Hand, zum Zeichen, daß ich dir ver gebe. Seid glüklich, fuhr er fort, indem er beider Hände zuſammenfügte, al ler Groll iſt vorüber, lebt wohl.

Morghen, ſagte das ſtaunende Mädchen, indem ſie dem Davoneilenden nachſah, hätteſt du wohl auch ſo gehandelt? Doch dies war noch nicht Al- les; um der Tochter die Vorwürfe des Vaters zu erſparen, ging Antonio ſo gleich zu dem alten Mann, und nahm alle Schuld der Trennung auf ſich. Er habe ſeinen Plan geändert, gab er vor, er wolle Bildhauer werden, und die Bildhauerkunſt erheiſche das ernſteſte Studium. Ein Weib würde ihn nur hin dern, und deshalb wolle er niemals heirathen, ſondern ſich ganz der Kunſt weihen. Seine Werke ſollten ſeine Kinder ſein und ſeinen Namen auf die Nachwelt bringen.

Volpatti machte ernſtliche Einwendungen, denn er wußte Canova's Werth zu ſchäzen.Ich weiß deine Gedanken, ſagte er, du wähnſt meine Tochter könne dich nicht leiden; aber glaube mir, es iſt mädchenhafte Schüchternheit, welche die Zeit überwinden wird. Die Verſuchung war ſtark, aber Canova wankte nicht. So trennte man ſich endlich; von Volpatti's Seite nicht ohne Verdruß, denn er liebte den jungen Mann herzlich. Nach der Vermählung entdekte Rapyael ſeinem Schwiegervater den wahren Verlauf der Sache; jezt war es zu ſpät ſein Kind zu ſchelten, daher begnügte er ſich zu ſagen:Do minica, du weißt nicht, welch ein edles Herz du verſchmäht haſt! Hätteſt du ihn gehört, wie er zu mir ſagte:Meiſter, wenn Ihr mich liebt, wenn Euch meine Dienſte etwas werth ſind, ſo beweiſt es mir dadurch, daß Ihr den Wunſch meines Herzens erfüllt und Eure Tochter und Raphael glüklich macht! Haͤtteſt du das gehört, wahrlich du hätteſt ihn nicht von dir gelaſſen.