320
Bräüſſel. Ein Eſtafettenku⸗ rier wurde kürzlich auf der Straße von Paris nach Brüſſel todt gefunden. Wie es ſcheint, war er auf dem Wege ein⸗ geſchlafen, vom Pferde auf das Pflaſter geſtürzt, und hatte ſich den Kopf zer⸗ ſchmettert. Sein Pferd hat man noch nicht aufgefunden. Das Handlungs⸗ haus, für welches er reiſte, hat ſeiner Mutter, die blos von der Unterſtüzung dieſes Sohnes lebte, eine lebensläng⸗ liche Penſion von 600 Franks ausge⸗ ſezt. P.
Lyon. Hier amüſirte ſich am 25. April ein Engländer, reich oder när— riſch, was oft gleichbedeutend iſt, des Nachmittags damit, oben von ſeiner Kutſche herab Goldſtüke unter das Volk in der Croix⸗Rouſſe zu werfen, die natürlich ſehr begierig unter Raufen und Stoßen aufgegriffen wurden. Die Polizei ſchritt aber zum großen Miß⸗ fallen der Aufraffer bald ein, und bat den Gentleman, ſeine Freude am Wohl— thun auf eine minder auffallende Art zu befriedigen. D.
Paris. Bekanntlich wurden meh⸗ rere franz. Seeleute vom Linienſchiffe Suffren, am vorjährigen Geburtsfeſte des Königs, durch eine unvorſichti— ge Sal ve der amerikaniſchen Fregatte „United States“ theils getödtet, theils verwundet. Die amerikaniſche Regie rung hat jezt jedem Verwundeten eine lebenslängliche Penſion von 120 Dol⸗ lars, und eine gleiche Summe den Fa⸗ milien der Getödteten bewilligt. B.
Gran. Am 8. März d. J. ge⸗ bar in dem Marktfleken Parkany an der Donau(Gran gegenüber) die Gattinn eines gut bemittelten Landwirths, die bereits mehrere, zum Theil erwachſene Kinder hat, Drillinge und zwar Mädchen. Die Drillinge blieben und
ſind noch am Leben, und die Mutter befindet ſich gleichfalls wohl. Da die Mutter nicht alle drei Mädchen ſäugen kann, ſo reſolvirte das löbl. Graner Komitat aus der Domeſtikal-Kaſſa die Koſten zur Aufnahme einer Säugamme für eines der Drillinge.—y.
Nantes. Hier ereignete ſich kürzlich ein leider ſeltenes Beiſpliel der uneigennüzigſten Ehrlichkeit. Ein dor⸗ tiger armer Arbeiter fand eine Brief⸗ taſche mit 6000 Franks in Papieren, die ein Reiſender auf dem Poſtwagen hatte fallen laſſen. Er zeigte die Sache dem Kondukteur an, und der Fremde legitimirte ſich bald zu ſeinem Eigen⸗ thum. Der Arbeiter ſchlug die darge— botene reichliche Belohnung hartnäkig aus, mit der Bemerkung, daß er bloß ſeine Schuldigkeit gethan habe. Sogar ſeinen Namen wollte er nicht nennen.
V.
Frankfurt. Bei der lezten Lotterieziehung gewann einen Theil des Gewinnes von 120,000 fl. ein Mann, welcher wenige Stunden vor der Ziehung wegen Schulden in das Gefängniß gebracht worden war, daß er ſo bald wieder zu verlaſſen nicht ge⸗ hofft hatte. G.
Paris. Der Auxiliaire Breton erzählt, daß ein Fremder, der kürzlich zu Rennes ankam, und in einem der vorzüglichſten Hotels abſtieg, großes Aufſehen errege, indem er ſich ſelbſt für den natürlichen Sohn Napoleons und einer Schauſpielerin ausgebe. Er iſt ſehr verſchwenderiſch in ſeinen Aus⸗ gaben und behauptet ein Einkommen von 300,000 Fr. zu haben. Beſonders freundlich zeigt er ſich gegen alle Mili⸗ tair⸗Perſonen, und ſchon der Anblik einer Uniform ſezt ihn vor Freude au⸗ ger ſich.(25)
Herausgeber und Verleger Franz Wie ſen.


