Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
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die Nadeln mit einer Art von Walze alſogleich wieder in ihre frühere* lung zurükbringen.

Das Inſtrument des Hrn. Sauvage gibt Abdrüke, welche mit 1 Originale die höchſte Aehnlichkeit haben, wie dies die in ſeiner Werkſtätte aufgeſtellten Profile zeigen; allein in den meiſten Geſichtern bemerkt man eine Art von Furcht oder Affektation, was wohl von dem Eindruke herrühren dürfte, den das Verfahren auf das abzubildende Individuum macht; auch ſchie⸗ nen uns die Geſichter meiſtens etwas gegen den Hals geneigt, was ſich leicht aus der Biegung erklären läßt, die man dem Halſe gibt, während man das Geſicht auf die Nadeln drükt. Wir würden daher an Hrn. Sauvage s Stelle immer erſt den zweiten oder gar den dritten Abdruk nehmen, damit das Individuum ſich mehr an den Eindruk, den das ganze Verfahren auf daſ ſelbe macht, gewöhne und folglich in natürlicherem Zuſtande erſcheine. Die hierauf verwendete Zeit wäre gewiß nicht ſo bedeutend, als daß man dieſen Rath nicht mit Vortheil befolgen könnte. Wir würden ferner das Inſtrument lieber gegen das Geſicht, als umgekehrt das Geſicht gegen das Inſtrument be⸗ wegen laſſen, indem die Haltung des Körpers dadurch weniger verändert wird. Die Oeffnung des Auges, welches während der Abnahme des Profiles geſchloſ⸗ ſen werden muß, geſchieht von dem Künſtler, der das Ganze ausbeſſert z daß hiebei die gewöhnlichen Fehler geſchehen können, verſteht ſich von ſelbſt.

Iſt man im Stande mit dieſem Inſtrumente alle jene Gefühle, die das Geſicht auszudrüken dermag, und die ein gewandter Bildhauer gleichfalls mehr oder weniger darzuſtellen weiß, wiederzugeben? Wir glauben nicht; deſſenun⸗ geachtet iſt und bleibt aber der Phyſienotype ein höchſt ſchäzbares Inſtrument, indem wir uns mit demſelben mit Leichtigkeit die Züge eines jeden und theuren Individuums verſchaffen können: und zwar auf eine viel ſchnellere und weni⸗ ger mühſame Weiſe, als durch das bisher übliche Abgießen in Gyps.

Ohne unſere Kritik des neuen Inſtrumentes hier weiter treiben zu wol len, bemerken wir hier nur noch, daß Hr. Sauvage den unangenehmen Ge ruch nach Talg, den daſſelbe hat, leicht beſeitigen könnte. Der Erfinder weiß jedoch gewiß ſchon die meiſten der Mängel, die wir hier berührten, und er wird ſeine Entde kung um ſo mehr mit jedem Tage zu vervollkommnen wiſſen, als er ſich zur Ausbeutung derſelben im Großen kürzlich mit Herrn Emil Girardin verband.

Kean und Nae.

Vei der erſten Probe vonRichard III. fragte Rae, der den Richmond ſpielte, ſeinen Gegner, da er nicht glaubte, daß dieſer ein beſſerer Fechter ſei als er ſelbſt,wo er ihn treffen ſolle.Wo Sie können, Sir, ent⸗ gegnete Kean, und er ſoll den armen Rae eine Viertelſtunde lang auf der Bühne herumgetrieben haben, ehe er ſich treßſen ließ.

Der hat in fünf Tagen viel erfahren.

Ein Engländer verlor ſeine Frau am Dienſtage, er ließ ſie om Mitt⸗ woch begraben, heirathete am Donnerſtage eine andere, die ihm aber ſchon am