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jedes dieſer Löcher eine 5 bis 6 Zoll lange ſtählerne Nadel eingeſezt iſt, die ſich mit großer Leichtigkeit in den Löchern der beiden Metallplatten bewegt. Wenn alle dieſe Löcher mit den gleich langen, und an den Enden rechtwinke⸗ lig abgeſchnittenen Nadeln beſezt ſind, ſo wird auf dieſe Weiſe von den Na— deln eine ebene, ſenkrechte Fläche gebildet, die unter dem geringſten Druke eine große Beweglichkeit beſizt, die jedoch auf keine andere Art, als durch den hiezu erforderlichen Druk in Unordnung gebracht werden kann.
Wenn nun ſämmtliche Nadeln auf eine und dieſelbe Höhe geſtekt ſind, und der Phyſtonotype ſenkrecht an einer Schnur aufgehängt worden iſt, ſo nähert ſich die abzubildende Perſon mit ihrem Geſichte den Nadeln, und übt damit ſo lange einen Druk auf dieſelben aus, bis das Profil dadurch vollkom— men in die zurükweichenden Nadeln gedrükt iſt. Durch dieſes mechaniſche Ver— fahren werden ſämmtliche Nadeln, die mit dem Geſichte in Berührung kamen, eingedrükt: und zwar je nach den Zügen die einen mehr, die anderen weniger. Da nun die Nadeln nicht ſo leicht beweglich ſind, daß ſie durch jede Vewegung der Platten in Unordnung gerathen, ſo erhellt, daß der hohlen abgedrukten Figur der einen Seite auf der anderen Seite eine erhabene Figur entſpricht, welche genau dieſelben Züge darbietet, die das Geſicht während des Abdru— kes ſelbſt hatte. Um ſich eine noch deutlichere Idee von dieſem Verfahren ma⸗ chen zu können, denke man ſich eine mit höchſt feinen, aber 6 Zoll langen und beweglichen Steinen beſezte Oberfläche; drükt man das Geſicht auf dieſe Stein— chen, ſo erhält man einen vollkommenen Abdruk davon, und gießt man in die— ſen hohlen Abdruk dann Gyps, ſo erhält man einen erhabenen Abdruk. Auf dieſer Idee beruht der gange Mechanismus der ſogenannten Phyſtonotype.
Wir glauben, daß Jedermann den Mechanismus des Inſtrumentes hie— nach leicht begreifen wird, obwohl wir über die übrigen Einrichtungen deſſel— ben eigentlich nur unſere Vermuthungen mitzutheilen im Stande ſind. Die Nadeln befinden ſich in einem Gehäuſe; ſie ſind befettet und leicht erwärmt, damit ſie keinen unangenehmen Eindruk auf das Geſicht machen; ſo wie ſie eingedrükt werden, drükt ihre innere Oberfläche auf eine aus einer Haut gebildete Scheidewand, welche höchſt nachgibig iſt, und hinter der ſich zergangener oder geſchmolzener Talg befindet. Wenn daher der Talg in dem Augenblike, in welchem das Relief der eingedrükten Nadeln einen hohlen Ab— druk in demſelben erzeugt, zum Erſtarren gebracht wird, ſo erhält man auf dieſe Weiſe einen Model, von welchem man dann Gypsabgüſſe machen kann. Der zwiſchen dem geſchmolzenen Talge und den Nadeln befindliche Körper iſt ſo dünn, daß ſelbſt die unbedeutendſten Narben deutlich abgedrükt werden. Man erhält auf dieſe Weiſe nicht nur Profile, ſondern, wenn man das Geſicht von drei verſchiedenen Seiten nimmt, kann ein etwas gewandter Künſtler auch ſehr leicht vollkommene und ſehr gut getroffene Büſten danach verfertigen.
Das ganze Inſtrument beſteht aus einem ovalen Käſtchen von 2 Zoll Dike, 11 bis 12 Zoll Länge und 6 bis 7 Zoll Breite; es iſt in drei Theile abgetheilt, von denen der erſte mittelſt der Nadel hälter von dem zweiten, und der zweite durch die erwähnte dünne Haut von dem dritten getrennt iſt, in welchem ſich wahrſcheinlich der flüſſige Talg befindet. Sollten die Züge nicht gleich auf das erſte Mal vollkommen genau abgedrükt ſcheinen, ſo laſſen ſich


