Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
308
 
Einzelbild herunterladen

308

der wichtigen Angelegenheit ihres Lebens und was iſt nicht wichtig in dem Leben einer Dame? ſich die Karten ſchlagen laſſen, und erſt vor Kurzem verſicherte mich ein ſonſt geiſtreicher Franzoſe, jeden Morgen beginne er ſein Tagewerk damit, die Karten um Aufſchluß zu fragen, und niemals, ſeit zehn Jahren, haben ſie ihm gelogen. Zugleich erzählte er mir, wie er die merk⸗ würdige Erfahrung gemacht, daß ihm ſchon lange ein Ung lük zugeſtoßen, ſo oft er ein friſches Hemd angezogen. Ich fragte ihn, warum er ſeit dieſer merkwür⸗ digen Wahrnehmung noch ein friſches Hemd anlege? Aber man richte nicht all zuſtreng den Rekruten in den elyſäiſchen Feldern, die kokette Schöne in dem Garten von Tivoli und die große Dame bei der Lenormand in der Rue de Tournon. Man vergeſſe nicht, daß die Chronik von Paris von einem Beſuch ſpricht, welchen Pitt und Mirabeau zu Anfang der franzöſiſchen Revolution der damals im größten Rufe ſtehenden Kartenſchlägerin abgeſtattet, wobel die beiden Staatsmänner ſich unter dem nämlichen Dach, und zwar unter dem Da⸗ che einer alten Hexe, begegnet haben.

Phyſlonotype des Heren Sauvage.

Man ſpricht ſeit einiger Zeit von einer neuen Methode menſchliche Ge⸗ ſichts züge auf mechaniſche Weiſe vollkommen und genau mittelſt eines Inſtru⸗ mentes wiederzugeben, welches von Hrn. Sauvage erfunden, und von ihm mit dem Namen Pyyſionotype belegt worden iſt. Wenn die glükliche Idee, welche Hr. Sauvage hatte, auch erſt im Entſtehen iſt, ſo leiſtet ſie doch bereits jezt ſchon einen Theil deſſen, was ſie verſpricht; die Erfahrung wird ſie ohne Zwelfel zur Vollkommenheit bringen, und uns in ihr eine vor⸗ treffliche Methode an die Hand geben, nach der wir uns nach aller Genauig⸗ keit die Geſichtszüge jener, die uns theuer ſind, verſchaffen können.

Die Idee der Phyſionotype iſt, wie wir nicht nur im Publikum, ſon⸗ dern in den Werkſtätten des Hrn. Sauvage ſelbſt hörten, nicht neu; allein die Anwendung derſelben iſt ſo ſinnreich und zugleich ſo neu, daß dieſem Manne derſelbe Dank gebührt, als wäre die erſte Idee ſelbſt von ihm ausgegangen. Der Phyſionotype beruyt nämlich auf elner glüklichen Anwendung des Ver⸗ fahrens, deſſen man ſich bedient, um die Figuren aus den Gobelinstapeten, die Deſſeins auf den Shawls dc. zu erhalten. Bei der Gobelinsarbeit ſowohl, als beim Zeichnen der Shawls wird die Verſchiedenheit der Deſſeins nämlich mit Hilſe durchlöcherter Pappendekel erzeugt, in deren Löcher Nadeln geſtekt werden, die der Arbeiter nach Belieben verſtekt, indem er einer vorher auf Kanevaß ver⸗ zeichneten Zeichnung folgt. Das Inſtrument des Hrn. Sauvage iſt in ſei ner Anwendung weit einfacher, als das von den Shawls- und Teppichwebern befolgte Verfahren.

Man denke ſich eine Platte aus Weißblech, welche in einer ovalen Form und in einer etwas größeren Ausdehnung als zum Verzeichnen des Umriſſes eines menſchlichen Geſichtes nöthig, gleich einem Kaſſefilter mit vielen, aber noch kleineren und noch gedrängteren Löchern verſehen iſt. Man denke ſich fer⸗ ner, daß in einer Entfernung von einigen Centimetern von einander zwei ſolche Platten angebracht ſind, deren Löcher auf einander paſſen, und daß in