Donnabend, 16. Mai.
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Kunst, Eleganz und Mode.
(Achter Jahrgang.)
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Halbſähriger Preis 4 fl., mit freier Poſtzu⸗? Man pränumerirt im Kommiſſionsamt zu Ofen ſendung 5 fl. Auf Velinpapler mit erſten?(Feſtungsauffahrt), in Ferd. Tomalas Kunſthand⸗ Rupferabdrüken 5 fl. und poſtfrei 6 fl. C. N.„ lung zu Peſth und bei allen k. k. Poſtämtern.
Alte Wunderhöfe und neue Gaunerinduſtrie in Paris.
(Beſchluß.)
Von den tauſend und aber tauſend Spielen, welche die nledere Pariſer Induſtrie treibt, um eine gleichmäßigere Vertheilung der Glüksgüter zu be— wirken, hier noch eins.
Während der Julitage des verfloſſenen Jahrs war abermals große ſoge— nannte Volksbeluſtigung in den elyfäiſchen Feldern. Es iſt ein Jammer, anzu⸗ ſehen, womit ſich das gute Volk beluſtigen muß, und manche dieſer Spieler ſind der Ziolliſation des Mittelalters nicht unwürdig. Dasjenige, von dem ich ſprechen will, muß aber wohl eine Ausnahme machen, denn wir finden es in
allen Kreiſen des Pariſer Lebens zu Hauſe. In einem weiten Kreiſe, der hauptſächlich von Landvolk, Soldaten und einer Menge jungen Bauermädchen gebildet war, erblikte ich eine Frau, welche auf einem Stuhle ſtand und durch ein langes Rohr, von der Geſtalt eines Schweizer Kuhrohrs, mit trichter för⸗ miger Mündung, einer hübſchen jungen Bäuerin in das Ohr wisperte. E= war eine Wahrſagerin, die ſtatt des Dreifußes einen gewöhnlichen Schemel beſtiegen hatte, ſo daß die Bäuerin, den Trichter am Ohr, die göttliche Kunſt immerhin von oben herab empfing. Ich ſah dem Dinge lange zu. Merkwürdig war mir die Unbefangenheit, mit der die ganze Verſammlung das Spiel be— trachtete. Ich muſterte die Geſichter: keine Spur von lächelndem Spott, kein Zug von wizelndem Hohne, Alles voll Andacht und Aufmerkſamkeit. Um ſich davon zu überzeugen, brauchte man nur zu beobachten, mit welcher Ungeduld Alle dem Augenblik entgegenſehen, wo die Reihe, ihr Glük zu vernehmen, an ſie kommt, wie ſie ſodann mit frommer Miene den Hut abnehmen, wenn es Männer ſind, das Schnupftuch herausziehen, ſich den Schweiß von der


