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wir zu Ihrer und meiner Sicherheit den Schmuk, bis zu meiner Zurükkunft, in dieſes Schreibepult.“ Der Schmuk wird in das an der Wand ſtehende Schreibepult gelegt, daſſelbe wohl verſchloſſen, und der Fremde entfernt ſich. Das Alles findet der Juwelenhändler ſehr in der Ordnung, und bewundert die zarte Weiſe, wie der Käufer das Intereſſe der beiden Partheien zu ſichern weiß. Von einer Gefahr für ſein koſtbares Kleinod hat er keine Ahnung. Wie könnte ihm etwas widerfahren? bewacht er nicht ſelbſt das Pult, in welchem ſein Eigenthum verwahrt iſt?
Es vergeht eine Stunde, es vergehen zwei, drei, vier, fünf, der Fremde kehrt nicht wieder, und dem Juwelier iſt der Name des Bankiers, zu dem er gegangen, unbekannt. Selbſt nach ſo langem Harren iſt Verwunderung noch das überwiegende Gefühl des Wartenden, er hat kein Mißtrauen, ſein Schmuk iſt geſichert. Endlich aber, da er erfährt, daß der Käufer das Hotel, welches derſelbe mit einem andern Fremden bewohnt, am nämlichen Tage verlaſſen habe, bleibt ihm nichts anders übrig, als das Pult erbrechen zu laſſen, um den Schmuk zurükzunehmen. Nur ſehr ungern verzichtet er auf den vortheil⸗ haften Verkauf. Das Pult wird geöffnet, und man findet es leer, der Schmuk iſt verſchwunden. Wohin und wie? Das Schreibpult ſtand an einer Wand, welche das Zimmer des Fremden von dem ſeines Spießgeſellen trennte. Hinter bem Rüken des Pultes war die Wand durchbrochen und an dem Hintertheile des Pultes ein beweglicher Schieber angebracht. So geſchah es, daßz, während eine Hand den Schmuk vorne in das Pult hineinlegte, die andere ſchon bereit war, ihn hinten hinauszunehmen, und fünf Minuten darauf waren Käuſer und Helfershelſer ſpurlos verſchwunden.
Man ſieht, dies iſt hohe Schule der Induſtrie. Folgende zwei Fälle ſind weniger ſtudirt.
Wir ſind in einem der Theater der Boulevards. In einem Sperrſize des Orcheſters genießt ein runder, diker, lächelnder Mann, deſſen ganzes Aeußere dem praktiſchen Pariſer Auge einen aus der Provinz verräth, die Thränen⸗ rührung des Melodrams, die Gerſtenzukerſtengel, und was ihm ſonſt noch an äſthetiſchem Vergnügen geboten wird, als da ſind: Orangen, Limonade, Bier, warme Kuchen, gebratene Apfel, das Magazin pittoresque und die verſchieden⸗ artigen Abendzeitungen; er genießt, man ſieht es ihm an, mit dem Heißhun⸗ ger des Neulings. Alles ergözt ihn, das Parterre und die Logen, der Vor⸗ hang und die Bühne, und er läßt die vergnüglichen Blike in allen Theilen des Schauſpielhauſes umherſchweifen. Da gewahrt er in einer der untern Lo⸗ gen zwei Herren und ein Frauenzimmer, welche ihn ſehr freundlich begrüßen. Anfänglich glaubt er, es ſei Irrthum, denn er iſt fremd in Paris, er kennt Niemanden und erinnert ſich auch nicht, dieſe Geſichter jemals unter ſeinen ſonſtigen Bekannten geſehen zu haben. Gleichwohl bleibt ihm kein Zweifel, daß die Freundſchaftsbezeigungen und Grüße ihm gelten, denn ſo oft er dahin ſieht, wiederholen ſich die nämlichen Geberden. Er dankt alſo höflich, denn der Mann aus der Provinz möchte um keinen Preis ungeſittet erſcheinen in der großen Welthauptſtadt, und überläßt ſich behaglich ſeinem Kunſtgenuſſe bis zum Ende, wobei es ſo ziemlich Mitternacht geworden; denn wohlfeiler thut es keines der Theater der Boulevards, namentlich ſeitdem ſie das Vaudeville im tragiſchen Cothurn ſingen. Die neuen Freunde hatten unſern Mann nicht


