Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
291
 
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failles, müde ſeiner gezierten Gartenhäuſer und Laubengänge, müde ſeiner Maitreſſen und der niederträchtigen Schmeicheleien und der Racineſchen Tira den, eines Tags, als das flüchtige Kriegsglük ſich gewendet hatte und die Langeweile des Alters eingetreten war; eines Tags, da er nichts Kurzweili geres mehr zu erfinden wußte, fiel es demgroßen König ein, an die Sicher heit und Wohlfahrt ſeiner guten Stadt Paris zu denken, und eine königliche Ordonnanz, der militäriſche Gewalt den gehörigen Nachdruk gab, machte dem Reiche des Wunderhofes ein Ende. Ein Theil der Bewohner wurde in das Zuchthaus, ein anderer auf den Rabenſtein geſchikt, dieſe in's Hoſpital, jene in's Irrenhaus geworfen, andere außerhalb des Weichbildes der Stadt gejagt; und zerſtoben war fortan alle Pracht und Herrlichkeit.

Aber dieſer königliche Entſchluß hatte nur einen Nebenbuhler in der koſtituirenden Gewalt entfernt, nur eine Form zerſtört, dem Weſen ſelbſt konnte er nicht an's Leben greifen. So lange Paris beſteht mit ſeinen ſchrof fen Kontraſten von Reichthum und grenzenloſem Elend, wird es eine Unzahl von Leuten beherbergen, die in den frühern Wunderhöfen ihren angemeſſenen Plaz gefunden hätten. Nur bat es die allmäliche Entwikelung der polizeili⸗ chen Gewalt und Aufſicht mit ſich gebracht, daß dieſer Zweig der Induſtrie mehr auf Schleichwegen, mehr im Geheimen, mit mehr Liſt und weniger Offen⸗ heit betrieben werden muß. Die Zahl der Prellereien iſt damit nicht geringer geworden, und obgleich im Allgemeinen des politiſchen Anſtrichs ermangelnd, bieten ſie doch zuweilen intereſſante Beiſpiele von Scharfſinn, durchtriebener Gewandtheit und liſtiger Erfindungsgabe.

Wenn der Fremde in Paris ſich plözlich ſeines Taſchentuches beraubt ſieht, in dem Augenblike, wo er es am nöthigſten bedürfte, beim Herausge hen aus dem Theater, oder nachdem er ſich einige Stunden auf den Boule vards ergangen, ſo möge er bedenken, daß die Entwendung des Taſchentuches einer der älteſten Zölle iſt, welche die Pariſer Induſtrie von den Fremden er⸗ bebt. Schon Sauval, in ſeinen Alterthüwern von Paris, erwähnt der Sache als einer althergebrachten Gewohnheit. Komiſch iſt beſonders der Kunſtaus⸗ druk: ein Schnupftuch entwenden, heißt faire le mouchoir, und man muß den Bewohnern der Seine laſſen, daß ſie darin eine ſeltene Fertigkeit beſizen. Man hüte ſich, aus dem Theater des Palals⸗royal zu gehen, ohne die Rok taſchen mit beiden Händen zu halten; dächte man auf der zweiten Treppe erſt daran, daß es nicht gleichgiltig iſt, ob man mit oder ohne Taſchentuch nach Hauſe kommt, ſo wäre es wahrſcheinlich zu ſpät.

(Fortſezung folgt.)

Der Herzog von Leuchtenberg.

Der engliſche Herald ſchreibt: Der kürzlich verſtorbene Prinz Auguſt von Portugal(Leuchtenberg) war wohl einer der reichſten Leute in Europa, indem ihm ſeine Veſizungen in den römiſchen Staaten und in Baiern ein jähr⸗ liches Einkommen von 60,000 Pfund abwar fen. Eine noch weit größere Summe ſollen die Zinſen der Kapitalien betragen, welche leztern durch Admaſſirung