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während des Prinzen Minderjährigkeit ſich ungemein vergrößerten. Prinz Au⸗ guſt, der am 9. Dez. 1810 geboren war, hat folgende Geſchwiſter: Prinzeß Joſephine, ſeine älteſte Schweſter, geb. den 14. März 1807, verheirathet ſeit dem 19. Juni 1825 mit dem Kronprinzen Oskar von Schweden, von dem ſie 6 Kinder hat; Prinzeß Eugenie, geb. am 23. Dez. 1808, vermählt am 22. Mai 1826 mit dem Prinzen Friedrich von Hohenzollern-Hechingen, dem Neffen der Herzogin von Dino, Talleyrand's Nichte: Prinzeß Amalie, geb. am 51. Juli 1812, und am 17. Okt. 1829 mit Don Pedro vermählt; Prinzeß Theodolinde, au 15. April 1814 geboren, und Prinz Maximilian, einziger Bruder, geb. am 25. April 1817, Lieutenant bei der baier. Kavallerie.(Es iſt jezt im Antrage, daß Lezterer die Wittwe ſeines Bruders, Dona Maria, Köni⸗ gin von Portugal, ehelichen ſoll.)
Ruſſiſche Wetterprophezeihung für dieſes Jahr.
Im Allgemeinen klagen wir Bewohner des Nordens, daß die Winter bei uns ſeit ungefähr 10 Jahren ſich von Jahr zu Jahr verſchlechtern. Die Kälte hält nicht an, der Schnee ſchwindet, und im Dezember und Januar finden oft Thauwetter und ſchlechte Wege Statt, was dem Verkehr der ruſſiſchen Haupt⸗ ſtädte mit den Städten des Innern außerordentlich ſchadet; die Lebensmittel werden theuer und verderben, und Geldbörſe und Geſundheit leiden darunter. In auswärtigen Zeitungen und in gelehrten Geſellſchaften gab es Erklärungen in Menge darüber. Viele ſchrieben dieſe Veränderungen dem Treiben des Po— lareiſes, veranlaßt durch Stürme und Strömungen, zu, Andere den Sonnen— fleken u. ſ. w. Ohne uns hierüber in Diskuſſionen einlaſſen zu wollen, t hei⸗ len wir hier nur mit, was alte Leute über dieſen Gegenſtand ſagen. Unter Leuten nämlich, die ſich mit Beobachtung des Wetters abgeben, findet man die Anſicht, daß alle 100 Jahre unter den verſchiedenen Breiten dieſelbe Witte— rung wiederkehre. Daß in der Natur ſich viel Periodiſches zeige, iſt unbe— ſtreitbar. Ohne von Tag und Nacht ſprechen zu wollen, iſt die Veränderung des Winkels, unter welchem die Ekliptik den Aequator durchſchneidet, die faſt alle 100 Jahre gleichmäßig wiederkehrt, etwas, was uns in Erſtaunen ſezen muß. Der Mechanismus des Weltalls iſt genauer, als alle Regulatoren; das Zuverläßigſte aber von Allem, was wir wiſſen, iſt, daß wir von dieſem Me— chanismus nur ſehr wenig begreifen können. Doch kehren wir zu der Voraus— ſezung zurük, daß alle 100 Jahre in den nämlichen Gegenden die nämliche Witterung wiederkehre. Wie die Witterung im Jahre 1735 bei uns im Nor— den war, bezeugt der Profeſſor der Theologie am Reval'ſchen Gymnaſium, Pfützner, deſſen Denkſchriften ſich bis auf unſere Zeiten erhalten haben, in folgendem Auszuge im Revalſchen Wochenblatte und der Dorpater Zeitung: „Gegenwärtiges Jahr(1755) zeichnet ſich vor allen vorhergegangenen Jahren aus, denn ſchon im Januar hatten wir nicht einmal einen ſchlechten deutſchen Winter, und gegen Ende des Februars dachte man an keinen Winter mehr, im März waren bereits alle Felder beſtellt, und das Gras wuchs mit Macht. Im April, vor dem Georgentage(am 23.) konnte man jedes Getreide ſchnei— den, wenn es nöthig geweſen wäre. Im Mai blühte ſchon das Winterkorn überall; in der Mitte des Juni ſchritt man zur Heuernte, die ganz vortreff⸗


