283
mir das Antliz des Großoheims erinnerlich, wie er im Tode dalag und nun deutlicher als jemals die„Mährchenmiene“ aus den blaſſen Zügen hervorleuch— tete. Was übrigens mich und mein Schikſal betrifft, ſo hatte der Alte es richtig vorhergeſagt. So oft ich auch Fahrten in ferne Meere gethan, auf dieſen manche ſchöne Inſel mit Palmbäumen erſchaut, ſo hat ſich mir doch keine Meerſee gezeigt, kein Elementargeiſt, weder aus Feuer, Luft, noch Waſſer iſt mir nabe gekommen; dagegen aber hat ſich mir ein ſchöner irdiſcher Mädchen— engel zu eigen gegeben, in deſſen ſüßer Zuneigung ich auch die Bekanntſchaft jener nicht vermißt habe. In unſern Geſprächen geht aber oft wie ein fernes Geiſtergrüßen die Sage von der rothen Perle vorüber, und dann tritt der gute Großoheim als Jüngling vor uns, an ſeiner Hand eine Geſtalt; die wir nicht zart, duftig und ſchön genug ausmalen können. Wohl dem, deſſen Bild ſeinen Nachkommen ſtets an der Hand einer holden Dichtung erſcheint.
Eine amerikaniſche VBärenjagd. (Auszug aus einem Briefe.)
Kürzlich ſchoß ich eine alte Bärin, die vollkommen weiß war. Sie hatte vier Junge; dorunter ein weißes mit rothen Augen und rothen Klauen, wie ſie ſelbſt; ein rothes und zwei ſchwarze. In ihrer Größe und in andern Ve— ziehungen glich ſie ganz dem gemeinen ſchwarzen Bären, nur hatte ſie, ausge— nommen die Haut ihrer Lippen, nichts Schwarzes an ſich. Der Pelz dieſer Art iſt ſehr fein, wird aber von den Handelsleuten nicht ſo hoch geſchäzt als der rothe. Die Alte war ſehr zahm, und ich tödtete ſie ohne Schwierigkeit; zwei der Jungen ſchoß ich in ihrer Höhle und zwei entwiſchten in einen Baum. Kaum hatte ich ſie geſchoſſen, als drei Nänner, wahrſcheinlich durch den Schall meiner Flinte herangelokt, daher kamen. Da dieſe Männer ſehr hungrig wa— ren, ſo nahm ich ſie mit mir heim, ſpeiſte ſie, und gab jedem von ihnen ein Stük Fleiſch nach Hauſe mit. Tags darauf jagte ich einen andern Bären in einen Pappelbaum, wo ich mich von der Werthloſigkeit meiner Flinte, die ich von A⸗ke- wah- zains hatte, überzeugte, denn ich ſchoß fünfzehn Mal, ohne den Bären zu tödten, und ward endlich genöthigt an dem Baume hinanzuklet— tern, und die Mündung meiner Flinte ihm an den Kopf zu ſezen, ehe ich ihn tödten konnte. Als ich einige Tage ſpäter auf der Jagd war, trieb ich, in einem und demſelben Augenblik, ein Elenthier und drei junge Bären auf; leztere rannten auf einen Baum zu. Ich ſchoß nach den jungen Bären und zwei von ihnen fielen. Da ich der Meinung war, einer oder beide müßten bloß verwundet ſein, lief ich ſogleich auf die Wurzel des Baumes zu, hatte ſie aber kaum erreicht, als ich die alte Värin in entgegengeſezter Richtung daher ſprin— gen ſah. Sie ergriff das Junge, das ihr zunächſt gefallen war, hob es mit ihren Tazen, während ſie auf ihren Hinterfüßen ſtand, auf, hielt es, wie ein Weib ihre Kinder hält, betrachtete es einen Augenblik, roch die Schußwunde, die es in ſeinem Bauche hatte, warf es, da ſie bemerkte, daß es todt war, nieder, kam zähneknirſchend gerade auf mich los, und ging ſo aufrecht, daß ihr Kopf in gleicher Höhe mit dem meinigen ſtand. Alles dies geſchah ſo plöz— lich, daß ich meine Flinte kaum wieder hatte laden können, und mir, als ſie


