Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
277
 
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bergen auf das Gut. Die klugen Auſſeher und ihre ſchwarzen Arbeiter be wunderten dieſe Radebergen, welche dreimal mehr faſſen könnten, als ſie ſonſt fertzuſchaffen im Stande waren. Sie wurden gefüllt, die geduldigen Schwar zen bükten ſich, nahmen die ſchweren Radebergen auf den Kopf, ſchwank ten unter der vermehrten Laſt dahin und wünſchten ſich Glük, daß ſie nun nur einmal zu gehen brauchten, ſtatt der vorigen dreimal; und dies dauerte ſo lange, ohne daß Jemand den Irrthum bemerkte, bis der erſtaunte Eigen⸗ thümer auf ſein Beſizthum kam. f

Ein Herr, der im Innern von Braſilien reiſte, kehrte eines Abends in einer Eſtancia ein, welche ganz nach alter Mode meublirt war; auf den Tiſch aber wurde nebſt einem langen Talglichte eine ſchöne plattirte Lichtpuze und deren Unterſezer geſtellt, welche der Beſizer zum Geſchenke erhalten hatte. Welche Vequemlichkeiten ihr in Europa erfindet! ſagte er zu dem Reiſen den;ehe ich dieſes herrliche Geſchenk erhielt, pflegte ich die Schnuppe, welche ich von dem Lichte abgemacht, auf die Dielen oder die Vank de. zu werfen aber ſehen Sie die ſchöne Einrichtung! Während er dies ſagte, knipp ler die lange Schnuppe mit dem Daumen und dem Zeigefinger ab, legte ſie ſorg⸗ fältig in die Lichtpuze hinein und ſchloß dieſe mit einem triumphirenden Blike auf ſeinen Gaſt, der ſich des Lachens kaum enthalten konnte.

Leitung der Novitäten und Anfichten.

tung Andern gegenüber beſſer darge ſtellt werden könnte, wüßten wir kaum. Vortrefflich war das innere Widerſtre⸗ ben gezeichnet, wie er den Segen Ha⸗ bakuk's empfangen ſoll. Seine Höhe

Theater.

Magdeburg. Madame Schrö⸗ der⸗Oevrient gibt gegenwärtig

bier mit dem rauſchendſten Beifall Gaſt rollen. S. Verlin. Am 18. April wurden dieRoyaliſten gegeben und Hr. Sey delmann trat in der Rolle des Oliver Cromwell auf. Er hatte die geiſtige Ueberlegung, die ſich fühlt, darzuſtel⸗ len, den Mann, der Keinem Vertrauen ſchenkt, und ſelbſt vor ſeinen Freun⸗ den, den Narren, den Schauſpieler macht, den Mann, der dem Aberglau ben der Menge äußerlich huldigt, oh ne ihm unterworfen zu ſein. Crom⸗ well bleibt in dieſem Stük theilweis noch ein Räthſel: ſo nahm ihn auch der Gaſt; und wie das Aufblizen der Kraft aus der Verſchloſſenheit, die an wandelnde Melancholie, die ſichere Hal⸗

aber erreichte der Künſtler, wo Crom well im Schloſſe Windham's auftritt, wie ſeine Kraft an dem Anblik Ma⸗ thildens theilweis bricht, und dann durch einen Kunſtgriff aus der Nieder lage ſich rettet, ſo daß er mit derſel⸗ ben gewichtigen Größe abtritt, mit, welcher er erſchienen war. Beſonders gelangen die Augenblike der Rührung hier ungewöhnlich gut. Herr Seydel⸗ mann wurde gerufen und erklärte in wenigen Worten ſeine Abſicht, das Gefühl der Dankbarkeit in den fol genden Leiſtungen zu offenbaren. Um Hrn. Lemm wurde Krieg geführt; das iſt auch eine Ehre. Die Lorbeeren ſieg⸗ ten, und Hr. Lemm dankte ſchweigend. V.