Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
275
 
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Retter an dem Strande unſerer einſamen Inſel zeigen wollte; zwar fehlte uns nichts, als die Freiheit, doch dieſe iſt ein unentbehrlicher Schaz. Mein Gefährte, dem keine ſo holde Tröſterin wie mir all nächtlich erfchien, fühlte ſich beſonders unglüklich. Endlich gelang es der Wachſamkeit meiner Freundin, mir eine erfreuliche Botſchaft zu bringen; ſie hatte in weiter Ferne ein Schiff entdekt und berichtete, daß es ſeinen Lauf auf unſere Inſel zu nehme. Als ſie mein freudiges Erſtaunen bei dieſer Nachricht ſah, verhüllte ſie ihr Antliz und vergoß häufige Thränen. Ach! ich hatte nicht bedacht, daß unſere Tren nungsſtunde jezt nothwendig ſchlagen müſſe; der Gedanke, ſo wie er plözlich ſich meiner bemächtigte, drükte alle Freude nieder, mir erſchien jezt nichts wünſchenswerther, als mein ganzes Leben hindurch allein mit der Geliebten die ſchöne Inſel zu bewohnen, dereinſt unter den Palmen mein Grab zu finden und dergeſtalt nie Europa und die meiner dort wartenden, engherzigen und beſchränkten Freunde wiederzuſehen. Dann, dachte ich bei mir ſelbſt, endigt ſich dein Leben vollkommen wunderbar und heilig, es kommt kein poſſenhafter Schluß darauf, der Alles vernichtet; du haſt nicht nöthig, deine Seele zu zwingen, daß ſie vergeſſe, wie es ihr einſt vergönnt geweſen, aus dem lau tern Quell der ſchönſten Dichtung zu ſchlürfen. Dieſe und ähnliche Gefühle beſtürmten mein Inneres in der Nacht vor meinem Scheiden, ich verbarg mich in das Dikicht der Gebüſche, ich wollte das rettende Schiff nicht ſehen, das immer näher an die Inſel herankam, mein Auge ſchwamm in Thränen, mein Buſen war auf's Heftigſte bewegt. Doch war die Lenkung der Umſtände nicht mehr in meine Macht gegeben, mein Gefährte hatte bereits ſein Möglichſtes gethan, die fremden Schiffer anzuloken; es war ihm gelungen, ein Boot kam heran, man forſchte nach mir, und ich mußte nun aus meinem in der Ver⸗ zweiflung gewählten Verſtek hervortreten. Damals, geliebter Sohn, in dem Schmerz der Trennung drohte mein Herz zu brechen; drei Tage hindurch kam keine Nahrung über meine Lippen, unaufhörlich ſtarrte ich, über den Vord gelehnt, in die klaren Wellen, ſo daß die Schiffsleute mich für geiſteskrank hielten; allein ich konnte nicht anders, denn nur mir ſichtbar zeigte ſich unter der Kriſtalldeke das Antliz der Geliebten; ſie wollte mich nicht verlaſſen, und dennoch mußte ſie zurükbleiben, als das Schiff immer höher nach Norden ſteuerte.(Beſchluß folgt.)

Zuſtand der Miſſionen.

Der Miſſionsverein zu Leipzig hat ſo eben einen Aufruf ergehen laſ ſen, aus welchem wir folgende Notizen entnehmen: Das Chriſtenthum wird gegenwärtig von mehr als 600 evangeliſchen Miſſionären in den fernſten Län dern verkündet. Um dieſe heranzuziehen, hat man Seminare in England, Frankreich, Dänemark, Deutſchland, in der Schweiz, in den Freiſtaaten Nordamerika's, und jezt auch in heidniſchen Ländern erichtet. Die äußern Mittel dazu geben ſol gende 24 Miſſionsvereine: 12 in Großbritannien ſen⸗ den 331 Miſſionäre; die Miſſionsgeſellſchaft der Brüdergemeinde unterhält jezt 111 Miſſionäre, überhaupt auf 41 Miſſionsſtationen 209 Arbeiter; die Baſeler 17, die rheiniſche 9, die niederländiſche 7, die franzöſiſch-proteſtanti ſche 4 Miſſionäre. In Aſien unterhält die Vaptiſtengeſellſchaft in Serampore,