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täten verſammelte. Hr. Oury gehört unſtreitig zu den erſten jezt lebenden Violinſpielern, einen Ruf, den er ſich allenthalben in der gebildeten Welt er⸗ worben und dem er mit ſeiner heuti⸗ gen Leiſtung auch hier vollkommen ent⸗ ſprochen hat. Er ſpielte ein Violin⸗ konzert von Viotti(erſter Saz: Alle- gro maestoso und Cadenza), dann Va— riationen von Veriot und zum Schluſſe ein ſpaniſches Bolero eigener Kompo— ſition. In der That es war ein herr— liches muſikaliſches Kleeblat, deſſen ge⸗ diegenen Beſtandtheilen durch einen mei— ſterlichen Vortrag höchſter Schmuk und Glanz ertheilt wurde. Hr. Oury verſezt uns in eine idealiſche Welt, wir glauben keine Violine zu hören, ſon— dern bald Orgeltöne, von mächtiger Ge— walt in Bewegung geſezt, bald Laute, von Zephirs leichten Flügeln hinge— haucht, und Alles mit einer Leichtig⸗ keit, einer Eleganz und Grazie und einem unendlichen Feuer, Leben und Gefühle ausgeführt, daß die beim Lau⸗ ſchen dieſen Töne herrſchende Grabes— ſtille unwillkührlich durch einen lauten Ausbruch der Bewunderung unterbro— chen wird. Die techniſchen Fähigkeiten des großen Virtuoſen haben eben ſolchen hohen Werth wie ſeine pſychiſchen. Bo— genführung, Doppelgriffe, Stacato, Ue⸗ bergänge und was dergleichen mehr iſt, weiß er mit außer ordentlicher Fertig— keit zu handhaben und die evidenteſten Schwierigkeiten bieten ihm durchaus keine Hinderniſſe dar, um mit Legeri⸗ tät hinwegzuſchreiten. Am meiſten ent⸗ zükte er in dem Bolero, ſeiner eige⸗ nen Kompoſition, worin wir Schönheit der Melodie und liebliche Grazie fan⸗ den, und die auch die lohnendſte von allen war. Dieſe ſo wie die andern zwei Piecen wurden mit rauſchendem Applauſe der gebildeten Verſammlung aufgenommen.— Die Zwiſchenräume füllten aus: Hr. Watzinger, der
eine Arie von Roſſini ungemein ſchön
vortrug, ſo daß wir faſt glauben möch— ten, ſeine Reiſe nach Italien habe er vort heilhaft benüzt, und Hr. Erkel, Kapellmeiſter der ung. Operngeſellſchaft zu Ofen, der die alten und veralteten Alexander-Marſch- Variationen von Moſchelles auf dem Fortepiano derge— ſtalt ſpielte, daß dieſer junge Künſtler, von dem wir bisher noch wenig hörten, durch einen trefflichen Anſchlag und eine ganz vorzügliche mechaniſche Ge— läufigkeit, wie er ſeine ſehr ſchwie⸗ rige Aufgabe löſte, aufs Erfreulichſte überraſchte. Würde er ſich noch mehr Gemüth und Seele im Vortrage aneig⸗ nen, ſo dürfte er bald einen bedeuten⸗ den Rang in der Virtuoſenwelt ein⸗ nehmen.— Um wieder auf Hrn. Oury zurükzukommen, ſo war es gewiß der einſtimmige Wunſch aller Kunſtfreunde, daß er ſich bald wieder in noch einigen Konzerten hören laſſen möge. Der Zu⸗ ſpruch wird ſich dann gewiß in hohem Maaße ſteigern. E. v. H.
Miszellen.
Philadelphia. In dem„täg⸗ lichen Anzeiger von Philadelphia“ ſtand vor Kurzem die Anzeige eines Herrn: „Ich habe einen hübſchen Damenhand— ſchuh gefunden. Wenn die Dame, wel⸗ che ihn verloren, ſo hübſch iſt, wie Aſchenbrödel, ſo kann ſie den Hand- ſchuh wiederbekommen und die Hand des Finders obendrein. Der Handſchuh liegt zur Anſicht— aber vorläufig nur zur Anſicht— in der Expedition dieſer Zeitung.“— Einige Tage dar⸗ auf enthielt der genannte„Anzeiger“ die Entgegnung:„Nachdem der Hand— ſchuh von einem Dritten in Augen⸗ ſchein genommen, erklärt das Mädchen, welches ihn verloren, daß ſie ſich ſehr häßlich findet, auf keinen Mann rech⸗


