Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
269
 
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Eine meiner Muhmen beſizt nicht weit von dieſer Inſel eine äußerſt koſtbare Perlenbank, die ſie wie den Apfel ihres Auges hütet; dieſe koſtbare Bank ward nun gefährdet durch euer Schiff, das gerade ſeinen Lauf auf ſie zu nahm. Die Muhme eilte in der äußerſten Veſtürzung zu mehreren Vettern und Baſen; es gelang ihr, die Verwandtſchaft in Aufruhr zu bringen, und nun zog der ganze Schwarm eurem Schiff entgegen, um es unvermerkt von der Perlenbank abzulenken. Doch es gelang nicht, euer Steuermann war zu gewiß ſeiner Sache und ſeinem Amte vollkommen gewachſen; unverwandt blikte er auf die Magnetnadel, ſteuerte immer gerade zu, und ſo ſchwamm das Schiff immer näher und näher an die Perlenbank heran. Die Muhnme befand ſich in äußerſter Gefahr, ſie beſann ſich nicht lange und griff ſchnell zu einem ver zweifelten Mittel. Schon ſeit geraumer Zeit hatte ihr ein mächtiger, aber tükiſcher und äußerſt übelgeſtalteter Nix den Hof gemacht; er war der Fürſt eines ungeheuern Auſternfelſen, und trachtete nach dem Beſiz der Muhme wohl nur aus eigennüzigen Abſichten, um ihr Vermögen an ſich zu reißen und die Verlenbank mit ſeinem Auſternfelſen zu vereinigen. Wenn gleich dieſe Abſich ten ziemlich klar am Tage lagen, ſo war doch jezt keine Zeit, darüber viel nachzudenken; zur Genüge war bekannt, wie mächtig der Auſternfürſt war z ſich ihm vertrauen, ſeine Hilſe anrufen, war alſo das einzige Mittel, die drohende Ge fahr abzuwenden. Auf den leiſen Ruf meiner Muhme kam er auch ſogleich aus der Tiefe heraufgebrauſt, ein Heer häßlicher, ſchwarzer Dämonen folgte ihm, ſie legten alle Hand an's Werk, und alsbald war das Schiff aus ſeiner Bahn gebracht und lief nun gegen die Klippe an, wie es der tükiſche Wille des Nixen veranſtaltet hatte.(Fortſezung folgt.)

Erne.

Ein junger franzöſiſcher Soldat kam auf Urlaub zu ſeinen Eltern zu⸗ rük, knüpfte die Vekanntſchaft mit einem Mädchen wieder an, das mit ihm erzogen worden war, und verliebte ſich in daſſelbe. Da er nach allen Anzeichen vermuthete, das Mädchen liebe ihn ebenfalls, ſo verſprach er, ſie nach ſeiner Verabſchiedung zu heirathen und machte, um ihr einen noch größern Beweis ſeiner Liebe zu geben, ſein Teſtament, in dem er dem Mädchen Alles verſprach, was er beſaß, nämlich 1600 Franks, die Summe, welche er als Stellvertreter eines Andern erhielt. Er reiſete hierauf wieder ab, aber auf dem Wege ſchlich ſich die Eiferſucht in ſein Herz, und acht Tage darauf war er wieder unter wegs nach der Heimath. Es war der Tag vor einem Feſte, und die Bewohner des Hauſes lachten und ſcherzten an einem kniſternden Feuer. Eine Stimme üäbertönte im Lachen alle andern, die ſeiner Braut. Heftige Eiſerſucht und gänzliche Verzweiflung bemeiſterten ſich des jungen Soldaten. Er ging nach Hauſe, nahm ein Piſtol, lud es ſehr ſtark, kehrte an die Thüre des Mädchens zurük, das ihn ſo ſchnell vergeſſen zu haben ſchien, und jagte ſich, während dieſes noch lachte, auf der Schwelle des Hauſes eine Kugel durch den Kopf.

Ein Mann der ſich ſelbſt zum Grabe läutet.

Am 9. März Abends gegen eilf Uhr wurden die Bewohner von Serches in Frankreich durch das Geläute der Gloken auf ihrem Kirchthurme erſchrekt.