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chen Llebſchaft ſelner Jugend berichtet; wee möchte ſie ihm glauben? und den— noch, mein Sohn, war es ſo; doch denke dir, daß damals unter den Palmen am Strande der einſamen Inſel ein blühender Jüngling lag, nicht ein alter, ſchwacher Greis, daß in dem Herzen dieſes Jünglings beißes Blut pulſirte und. in ſeinem Kopfe alle Träume einer überirdiſchen Liebe ſchwärmten. Iſt denn nun in dieſem Alter, wo uns das Wunder ſo naheſteht, eine Liebſchaft, wie die meine war, ſo unbegreiflich?— O gewiß nicht! Denke dir eine ſchöne Fürſtin, die einen blonden Schäferknaben liebt, die ſeine ſüße Jugend zu ſich auf die Höhe des Throns zieht; iſt hier nicht auch unbegreifliches Wunder? und dennoch iſt es geſchehen, wie uns die Geſchichten der alten Welt beweiſen.“
Ich ſenkte den Blik zu Voden, ich erwiderte den warmen Druk der Hand des Oheims, und dieſer fuhr fort:„Meine holde Liebſchaft erzählte mir, während mehrerer Nächte, in welchen ſie zu mir kam und wir am Strande beim Mondglanze beiſammen ſaßen, Vieles und Mancherlei von dem wunderbaren Reiche, das ſie bewohnte; ich verſtand, was ſie ſprach, obgleich es nicht die gewohnten Worte waren, die wir mit einander zu wechſeln pflegen; ja, ich verſtand ſogar die geheimnißvollen Geſeze und Einrichtungen in dem Reiche meiner Geliebten, und ich fand ſie ganz zureichend und zwekmäßig. Damals, mein Sohn, wußte ich beſſer Beſcheid in dem Waſſerſtaate der Undinen, als bei den Wechſeltiſchen der Börſe, ja, mir erſchien öfters das gewöhnliche, ſchale Alltagsleben mährchenhaft und wunderbar, ſo ſehr hatte meine ſtille, füße Geliebte mich ſchon eingeweiht in die Angelegenheiten ihrer Erblande. „Ich ſah dich ſchon lange kommen,“ ſezte ſie ihr zärtliches Geplauder fort, „du ſtandſt am Bord des mächtigen Schiffes, das nun dort zertrümmert liegt; mein Auge, dir unſichtbar unter der Waſſerfläche, ſuchte ängſtlich das deinige; wie gerne hätte ich dieſe ſorgloſe Miene von deinem Antliz verwiſcht, denn ich wußte, daß die Gefahr dir unabwendbar und nahe war. Um deine Genoſ— ſen bekümmerte ich mich nicht viel, ſie waren mir gleichgiltig; deine Geſtalt, dein Blik hatten aber einen tiefen Eindruk auf meine ſonſt ſo bewegliche und kühle Waſſerſeele gemacht. Fürchtend und zagend ſchwamm ich euch nach und ſah endlich die Klippe deutlich vor mir aus dem Grunde ragen, an der euer Schiff berſten ſollte; um die ſchwarze Felſenwand herum lagerten die neidiſchen Vettern und Muhmen, die mit boshaften Mienen den Todesſtoß abwarteten. Ich konnte nicht in ihre kalten, höhnenden Geſichter ſehen, noch weniger wollte ich dabei ſein, wenn das unglükliche Schiff ſtrandete; ängſtlich floh ich daher und barg mich, in meinen Schleier gehüllt, in einer einſamen Bucht dieſer Inſel. Das ſchrekbare Ereigniß ging vor ſich, und bald darauf ſah ich dich, Geliebter, mit deinem Gefährten an meine Inſel heranſchwimmen. Wer fühlte ſich wohl glüklicher als ich! Kaum erlaubte mir meine Ungeduld, die Stunde des Mondaufgangs] zu erwarten, um dich auf meiner Inſel willkommen zu beißen. Du wirſt nun wiſſen wollen, weßhalb meine Verwandten zu eurem Untergange mit beitrugen; du wirſt ſie darum boshaft und tükiſch ſchelten, und vielleicht fällt ein Theil dieſer Mißbilligung auch wohl auf mich, und das könnte mich bitter ſchmerzen, da ich ſie nicht verdiente, auch die Verwandten verdienen ſie nicht, weil ſie nichts Schlimmeres thaten, als ihr Haus und Hof ſchüzen, was ihr auch gethan haben würdet, wenn übermächtige Feinde beides zu dernichten drohten.“


