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zu einer Menge von Füßen, ſo daß ſich am Ende eine Zahl von drei hundert muthmaßlichen Sündern ergab.— Der Apotheker ging traurig und verhöhnt zurük, die Pantoffeln offen vor ſich her tragend. Da kam ihm des Hauptmanns Burſche in den Weg; dieſer erkannte ſogleich ſeines Herrn Eigenthum, riß es dem Apotheker zornig aus der Hand, und trug es fluchend wie im Triumph nach Hauſe. Der Triumph war auf des Apothekers Seite, denn dieſer wußte jezt, woran er war und brachte species facti und Klage ungeſäumt zu Papier, — Klüger noch benahm ſich der Hauptmann; er klagte ſeinen Burſchen des Diebſtahls an, ließ von einem gut belohnten Schuhmacher ſchnell eine Verän⸗ derung an den Pantoffeln vornehmen, und ſchikte' ſie darauf dem alten Apo⸗ theker, dem er ausdrüklich die Frage ſtellen ließ: ob er dieſe Pantoffeln be— ſtimmt als diejenigen erkenne, welche ſich in der Tochter Schlafzimmer vor fan⸗ den? Der Vater ſchrie und betheuerte, daß es dieſelben wären, welche Klage und Zeugniß führten. Der Hauptmann erbot ſich, ſie ſeinem Fuße anzulegen; der Apotheker lachte laut auf, denn er ſah gewonnen Spiel vor ſich. Die Pantoffeln wurden vor Gericht dem Fuße angelegt, und— waren zu klein. Allgemeines Gelächter, Spott und Hohn; inmitten der Apotheker, der Flüche und Verwünſchungen ausſtieß. Am meiſten fand ſich aber das Städtchen belu— ſtigt; es wurde darin acht Tage, ohne ſich Erholung zu gönnen, von Nichts geſprochen, als den Pantoffeln, dem liſtigen Mädchen und dem betrogenen Apetheker; denn der Volks-Verſtand ſieht allemal ſchär fer als der Vater eines ſchönen Mädchens.
Leitung der Novitäten und Anfichten.
nigfaltigkeit ward uns an dieſem Abend geboten; man zählte zehn Nummern, und Derjenige, der das Ganze arran—
Muſik.
Peſth. Am 19. d. M. ward im bieſigen Theater, zum Vortheile des Penſionsinſtituts für Wittwen und Waiſen der hieſigen ſtädt. Beamten, eine große muſikaliſch-deklamatoriſch⸗ plaſtiſche Abendunterhaltung gegeben, und das Haus füllte ſich dergeſtalt, wie es bei einem Konzerte vielleicht hier noch nie der Fall war. Sei es der täglich zunehmende Geſchmak an Mufik, oder der Hang zur Wohlthätigkeit, oder, was am wahrſcheinlichſten iſt, Beides zugleich, die dieſes Reſultat hervorbrachten, jedenfalls gibt dies ein ſehr ehrenvolles Zeugniß für die Hu⸗ manitäts⸗ und Kulturſtufe der Be⸗ wohner Peſths.— Eine Fülle von Ma⸗
girte, hatte es unſtreitig mit den Zu— hörern gut gemeint, und Einiges befriedigte auch wirklich allgemein und in bedeutendem Grade. Die Leiſtungen der Dilettanten mit einem Maaß⸗ ſtabe zu bemeſſen, als wären ſie Künſt⸗ ler von Fach, wäre höchſt ungerecht, und wir begnügen uns mit der Bemer—⸗ kung, daß einige Derjenigen, die wir heute zu hören Gelegenheit hatten, in Privatzirkeln gewiß Senſation zu machen im Stande ſind. Eine beſondere Erwähnung verdient aber eine wirklich gehaltvolle und ſehr effektreiche Kompo⸗ ſition des Hrn. A. v. Bartay:„Gruß an den König in Frühlingstagen(2)“ ein Chor mit Begleitung von 24 Trom⸗


