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ſchauen, und zwar in der Stellung, wie er auf einem einſamen Klippenriff kniend, umgeben von den überall auftauchenden Ungeheuern des Meeres, ſeine Hände im Gebet zu einer in den Wolken ſchwebenden 2 Jung frau emporhob.(Fortſezung folgt.)
Die Dante Anekdote, nach dem Spaniſchen.
Gelaſta, die Tochter eines Apothekers einer kleinen Stadt Spaniens, war verllebt in einen Hauptmann der Garniſon, der ſich Don Spacamonte nannte. Er wohnte in einem Häuschen, deſſen Fenſter jenen unſrer Heldin gegenüber ſtanden; den Zwiſchenraum nahm ein kleiner Garten ein, welchen aber eine Mauer durchſchnitt, damit doch ein einziges Hinderniß den wieder— holten verliebten Zuſammenkünften im Wege ſtände. Als die Furcht, es möge ſie Jemand belauſchen, Beiden läſtig zu werden begann, bequemten ſich die Lie— benden, einem andern Mittel ihr ferneres Heil zu vertrauen, dieſes Mittel führte den Hauptmann in das Schlafzimmer ſeiner Freundin; da wo ihn Nie⸗ mand zu ſuchen wagte, war er am ſicherſten. Er überſprang das kleine ſtei⸗ nerne Hinderniß, die Mauer, ſchwang ſich bis zum offenen Fenſter des heimli— chen Zimmerchens empor, und ſtand jedes Mal, ſo oft er dies verſucht hatte, in ſeinem Glüke. Der Vater wohnte und ſchlief eine Treppe höher; daher der beglükte Ritter ſacht in leichten Pantoffeln kam, dieſe aber ſogleich bei'm Ankommen weglegte, alles Geräuſch zu entfernen.— An einem Abend verur— ſachte ein unerwarteter Gaſt große Verwirrung und Unheil. Der Onkel, ſpaͤt angelangt, mußte in des Mädchens Zimmer untergebracht werden; das Mädchen dagegen in der großen Kammer der Haushälterin. Dem Hauptmann davon Nachricht zu geben, konnte auf keine Weiſe mehr möglich gemacht werden; und als dieſer kam, ſeine Pantoffeln in Sicherheit gebracht hatte, traf er auf den fchnauzbärtigen Onkel. Er fuhr zurük, ohne laut zu werden; der im Bette lag fuhr jedoch heraus und hervor, ſtieß ein brüllendes Geſchrei aus, und eilte auf ſeinen Degen zu. Der Hauptmann machte ſich eilig auf dem Wege, der ihn ins Zimmer führte, wieder davon, und rettete ſich, ohne erkannt worden zu ſein; die Pantoffeln aber blieben ſtehen. Jezt ſtürzten von allen Seiten Leute herbei; fragten, wunderten ſich, begriffen nichts, ſahen und tappten nach allen Eken, und— fanden die Pantoffeln. Wem gehören dieſe?— Farbe und Schnitt waren ſonderbarer Art: Niemand in der Stadt bekannte ſich dazu. Man verfiel auf die Soldaten, auf die Offiziere, dem Prunk ſo wenig als der Galanterie abhold; und der Apotheker trug die anklagenden Pantoffeln zum Kommandanten.„Ein! verwegener Ehrenräuber ſtieg zum Fenſter herein“, ſagte er,„babe es auf die Ehre der Tochter angelegt, ſei aber übel wegge— kommen und mußte die Flucht ergreifen, nachdem er die Pantoffeln, welche ſo laut gegen den Räuber zeugen in Angſt und Eile mitzunehmen vergeſſen batte.“—„Wer war dieſer freche Waghals?““— Der Apotheker meinte: „der Fuß, dem die Pantoffeln ſich anpaſſen, gehöre dem Manne, nach welchem man frage, und dieſen zu entdeken, ſei ein Leichtes, denn die Zeugen verrie⸗ then ohne Bedenken den Sünder.“ Alles lachte. Die Pantoffeln W
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