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würde ich am leichteſten mein Kar⸗ riere machen. Und erſt ein Bajazzo zu ſein, das wäre ein Glük ohne Gren⸗ zen! Ein Bajazzo ſagt ungeſcheut die kekſten Späße und Satyren, und darf nicht zittern, vor der Kralle des ge⸗ kränkten Stichblattes ſeines Wizes.— O Bajazzo, wie biſt du beneidenswerth! Wer ſo glüklich wäre, ſagen zu können: „Anch' io son Bajazzo!“
Adiaphoros.
Miszellen.
Erfurt. Kürzlich kam ein fremder Mann in eine Materialhand⸗ lung, verlangte einige Pfund Syrup, und ſagte dem Kommis, er möchte den⸗ ſelben nur in ſeinen Hut gießen. Die— ſer lachte Anfangs und nahm Anſtand, aber der Fremde verſicherte ihn, dies geſchehe zu einem beſondern Zweke. Er warf einen Thaler auf den Tiſch, der Kommis ſchenkte ein und griff nach dem Geldkaſten, um herauszugeben. In die⸗ ſem Momente ſtülpte der Fremde ſei—⸗ nen Syrup⸗Hut dem Kaufmann tief über den Kopf, ergriff den Geldkaſten, und eilte davon. Der Kommis ſchrie, während er ſich bemühte, den Hut un⸗ ter dem Kinn wieder emporzuziehen und den Syrup aus den Augen zu wiſchen, nach Hilfe; aber zu ſpät, der Gauner war verſchwunden. A.
Genf. Ein Herr Tronchin in Genf, bereits durch ſeine wohlthätigen Veſtrebungen rühmlich bekannt, hat 100,000 Frks. für Greiſe ſeiner Vater⸗ ſtadt beſtimmt, um ihnen damit Hilfs⸗ mittel und Genüſſe zu verſchaſſen, welche geeignet ſind, ihnen die lezten Lebenstage zu verſüßen. B.
Lille. Der polniſche Fürſt O⸗ ginski(Sohn des bekannten Verfaſſers der Memoiren über Polen), der bei dem lezten Aufſtand die Inſurrektion in Litthauen leitete, und deſſen jezt konfiszirtes Eigenthum daſelbſt einen
Werth von mehr als vier Millionen
Gulden betrug, iſt jezt in einer Vor⸗ ſtadt von Lille als Buchbinder anſäßig, und beſchäftigt in ſeinem Laden meh⸗ rere ſeiner gleich ihm ausgewanderten Landsleute. Auf ſeinem Schild lieſt man:„Oginski, Buchbinder.“ Der Kö⸗ nig und der Herzog von Orleans ha⸗ ben ihm Arbeit verſchafft. K. Lyon. Einem Kaufmann wurde im Jahre 1818 eines ſeiner Kinder, ein hübſcher zweijähriger Knabe, von der Thür ſeines Magazins, wo er ſpielte, weggeſtohlen, ohne daß alle Nachforſchungen auf die Spur des Die bes geführt hätten. Sechzehn Jahre lang hatten die Eltern ſeitdem den Verluſt ihres Lieblings betrauert, als vor Kurzem eine Bettlerin, die auf dem Todbette lag, dem zu ihr geru⸗ fenen Prieſter eingeſtand, daß ſie jenes Kind geſtohlen habe, um dadurch ihrer Bettelei beſſern Erfolg zu verſchaffen. Sie gab alle Umſtände ſo genau an, daß die Wahrheit ihrer Ausſage nicht bezweifelt werden konnte; ihr vermein⸗ ter Sohn, jezt 18 Jahre alt, wurde von dem Geiſtlichen ſogleich ſeinen wah- ren Eltern zugeführt, die ihn, hoch⸗ erfreut, für ihr verlornes Kind aner⸗ kannten. P. Wien. Vor kurzem ereigneten ſich hier zwei traurige Vorfälle. Eiu achtzehnjähriges Mädchen von guter Familie!, welches aber bisweilen an Geiſteszerrüttung litt, ging in einem unbewachten Augenblike aus dem elter⸗ lichen Hauſe in jenes einer Freundin, die im zweiten Stoke wohnte, und ſtürzte ſich vom Fenſter auf die Straße. Sie blieb augenbliklich todt. Vorſaz mußte bei dieſer That ſein; denn ſie zog vorher— was ſie ſonſt nicht zu thun pflegte— aus Schamgefühl Vein⸗
kleider an.— Das zweite Unglük traf
einen kleinen Jungen, der einen Hund bei ſich hatte, welcher ohne Halsband


