Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
256
 
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berumlief. Ein zur Töoͤdtung ſolcher Hunde vom Abdeker beauftragtes In⸗ dividuum wollte den Hund erſchlagen; dies bemerkte der Junge, und warf ſich in dem Augenblike, als jener den Streich führte, mit dem ganzen Leibe über ſeinen Liebling, um ihn zu ret⸗ ten. Der Schlag traf den Burſchen ſo unglüklich, daß der Junge auf der Stelle todt blieb. S.

Berlin. Ein Duell hat hier großes Aufſehen gemacht. Ein Student und ein anderer junger Mann gerie⸗ then auf einem Kaffeehauſe in Streit über ein Zeitungsblatt, das jeder von beiden leſen wollte, und der junge Mann vergaß ſich ſo weit, daß er dem Studenten eine Ohrfeige gab. Dieſer forderte ihn auf den Degen; jener er klärte, er ſchieße ſich nur. Man ſchoß ſich. Der Beleidiger that großmüthig den erſten Schuß in die Luft; die Ku⸗ gel des Beleidigten ſtreifte ihm dage⸗ gen das Ohr. Noch nicht zufrieden ge ſtellt, kam es zum zweiten Schuß, und hier erſchoß der Beleidiger, der ein vortrefflicher Schüze war, ſeinen Geg ner. Er iſt flüchtig geworden. M.

Vern. im hieſigen Theaterdie Redewuth und der Freiſchüz aufgeführt. Gegen halb 10 Uhr fing das Stük durch einen improviſieten Akt, zum höchſten Er⸗ ſtaunen der Zuſchauer, auch im Par⸗ terre zu ſpielen an. Nach einem kur⸗ zen, einleitenden Wortwechſel zwiſchen einigen Muſenſöhnen, welche im Par terre die Tabakspfeife in den Mund ſezten, und einem Offizier der Garni ſon entwikelte ſich auf die natürlichſte Weiſe ein wüthender Kampf. Ein mi⸗ litäriſcher Dreiek flog wie ein Weber⸗ ſchiff auf dem Boden herum, und der Eigenthümer war nicht viel glüklicher,

Lezten Montag wurde

als aus den Logen ſchnell die anweſen⸗ den Offiziere ihrem Kameraden zu Hilfe eilten. Säbel blinkten, kräftig und hageldik fielen Fauſtſchläge. Bald zog ſich die Handlung von dem Theater auf

die Gaſſe. Bereits ſaßen mehrere Mu-

ſenſöbne im Sto hauſe in Gewahrſam, als ihre Gefährten:Burſche raus! riefen, und ihre Freundezerſt in der Spekkammer, nachher auf der Wache aufſuchten. Zum Schluß erſchienen 30 Milizen in einem maleriſchen Aufzug, wie Krieger, welche in Eite aus ihren Betten aufgewekt wurden. Die Menge verlief ſich. Bald war alles todtenſtille. Nur einige Muſeaſöhne waren, man weiß nicht ob freiwillig, im Stok hauſe zurükgeblieben. Seitdem ſollen auf der Gaſſe wieder mehrere Offiziere groͤblich inſultirt worden ſein. D.

Kunſt⸗ Anzeigen. peſth. Hr. Kunſthändler To mala iſt ſo eben von ſeiner Geſchäſtsreiſe nach Wien zurükgekehrt und hat ein unter ſeiner Lei- tung daſelbſt ausgeführtes ſehr ausgezeichne⸗

tes lithographiſches Kunſtwerk mitgebracht.

Es iſt ein höchſt ſinn⸗ und ideenrelches alle⸗ goriſches Tableau, die beiden allerdurchlauch⸗ tigſten Monarchen Franz I. und Ferdinand I., mit Portraitähnlichteit, in einer herzerheben⸗ den Situation darſtellend, nach der Idee des Ferd. Tomaba, gezeichnet von Jo. Führich, Korrektor der Akad. d. bild. Künſte in Wien, lithographirt von Joſ. Kriehu ber und gedrukt bei Leytum u. C. in Wien. Die Namen dieſer berühmten Künſtler laſſen ſchon etwas beſonders Vorzügliches erwarten, und wir verſprechen jedem Kunſt- und Vater⸗ ländsfreund bei dem Anblit dieſes trefflichen Werkes die angenehmſte Ueberraſchung. Idee,

Zeichnung, Lithographie, Drut und Papier gehen Hand in Hand, um dieſes Kunſtwerk den vorzuglichſten Schöpfungen dieſer Art an⸗ zureihen.(Preis auf chineſiſchem Papler 5 fl., auf franzoſiſchem Papier 4 fl. C. M. Eine elegant gedrukte Erklarung wird gratis bei gegeben.) l.

Der berühmte Hr. Oury, Profeſſor an der k. Akademie und erſter Solo⸗ ſpieler bei der ital. Oper in London, iſt bier angekommen und wird Sonn⸗ abend, den 25., im Redoutenſ. ein Konzert geben.

Herausgeber und Verleger Franz Wlieſen.