Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
254
 
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verſteht, einen Buffo Prezzolineder lachen macht, und einen höchſt me⸗ diokren Basso, 8. Valtelina, der weder ſingt noch ſpielt, ſondern abſolut ſchlecht iſt. Chor und Orcheſter, lez⸗ teres unter der Leitung des Kapell⸗ meiſters Telle, übertreffen ſich ſelbſt. Die Grillparzer-Kreutzer'ſche roman⸗ tiſche ZauberoperMeluſſine ſprach im Theater in der Jo ſe p b⸗ ſtadt nicht an. Mad. Krauß⸗Wranitz⸗ ky, Delle. Segatta und die Herren Kreipl, Illner und Mellinger waren darin beſchäftigt. Im Theater an der Wien erſchien am 8. d. M. zu Henſel's Beneſize, das Ziegler'ſche Luſtſpieldie vier Temperamente und batte ſich der regſten Theil nahme zu erfreuen. Mad. Fiſcher, Delle. Planer und Weik, dann die Herren Werle, Boſard, Henkel, Spielberger, Neſtroy und Scholz wirkten mit Eifer und Er folg. Es war wohlthuend, auf dieſer Bühne wieder einmal was Vernünf⸗ tiges zu ſehen. Dochdas Unglük ſchreitet ſchne ll. Am 11. die⸗ ſes M. gab man zum erſten MaleDer Sturm auf Panama oder der Taub ſtumme aus Liebe, ein romantiſches Schauſpiel in 3 Ak ten, von einem be ſcheidenen Unbekannten. Man könnte eine Welt als Preis für ein abſurders Stük ausbieten, und nur der Dichter die ſer Piece ware im Stande, den Konkurs mitzumachen. Vielleicht, daß eine Küchenmagd ihre amtsfreien Stunden dazu verwendete, dieſes Un⸗ ding auf dem Herdbrette zuſammenzu⸗ ſtümpern, aber auf jedem Fall eine alberne, denn ſelbſt eine gewöhnliche

chin mit halbem Menſchenverſtand würde Beſſeres zu leiſten verſteben. Um dieſe etwas kühne Behauptung zu rechtfertigen, möchte ich gerne das Su⸗ jet dieſes Schauſpieles erzählen, wenn ich es nur begriſſen hätte und wenn es überbaupt möglich wäre, etwas nach⸗

zuerzählen, was gar nicht exiſtirt. Alſo mit einem Worte, das Stük hat gar kein Sujet und das iſt noch da s Beſſte daran. 29 Perſonen kommen und gehen, reden und agiren, bören und ſeben, aber Alles zum Schrek der Zu⸗ ſeher. Sie kommen und in ihrem Gefolge erſchelnt die Langweile; ſie gehen und die Furcht er faßt uns, daß noch Erbärmlicheres kommen könne; ſie reden und wir verſtehen den Galli⸗ mathias nicht; ſie agiren wie Ma⸗ rionetten, denn auch eine Schröder und ein Laroche könnten aus dieſen Rollen nichts ſchaffen; ſie hören das Miß⸗ fallen des Publikums, das ſich deutlich und laut ausſpricht; und ſie ſe hen 5 wie das Theater von Szene zu Szene leerer wird und freuen ſich von Her⸗ zen, daß ſich dadurch wenigſtens die Unzufriedenheit mit ihrer nothgedrun⸗ gen unglüklichen Leiſtung vermindert. Summa ſummaram: Das Repertoir dieſer Bühne hat ſich mit einem wür digen Seitenſtüke zu unzähligen ähn lichen Piecen bereichert und zuglelch das Capo d' Opera des Wahn ſinns und Unſinns, das Prototyp eines romanti ſchen Schauſpieles, wie es nicht ſein ſoll, den Triumph des üblen Geſchmaks zur Schau geſtellt. Nur nicht ängſtlich nur nicht ver⸗ zagt vielleicht kommt's noch ſchlech⸗ ter! Am Oſtermontage werden ſich die Kunſtreitergeſellſchaften der Mad. Laura de Bach und des Hrn. Guerra produziren. Wie freue ich mich auf dieſen Genuß! Kunſtreiterei iſt meine Hauptpaſſion, meine Schwachheit. Sie iſt gewiß die größte Kunſt, denn nir gend kommt man ſo ſchnell vorwärts, und wenn's auch sit venia verba im Orunde eine Noßarbeit iſt, ſo darf man dabei doch ungeſcheut den Leu⸗ ten Sand in die Augen ſtreu⸗ en. Wenn ich nicht Adlaphoros wäre,

ich möchte ein Kunſtrelter ſein, da

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Wir gratuliren.