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Seife wird alle dieſe Fleken herausnehmen. Geben Sie Acht. Ich durchweiche die Rükſeite; ich reibe den Flek anfangs leicht, dann ſtärker; ich waſche die Stelle ab, ich trokne ſie: Sie ſehen nichts mehr. Treten Sie näher. Der Herr kann jezt ſtolzen Hauptes in die erſte Geſellſchaft gehen— und das Alles koſtet nur 5 Sous und das Stük Seife gehört Ihnen.“
Vergebens weigert ſich der gezwungene Kunde, die Steuer zu entrichten. Nachdem er dem Induſtriellen zum Stichblatte gedient hat, muß er ihm auch noch die Beſchämung, der er ihm ausſezte, bezahlen. n 5
Zunächſt dem Flekenreiniger kommt der Stiefelwichſer, der dem Vorübergehenden unverſehens den Fuß faßt, ihn auf den Schemel ſezt und durch ſeine kräftig geführte Bürſte der Fußbekleidung neuen Glanz verleiht, indem er zugleich dem Publikum ſeine herrliche engliſche Wichſe anpreiſt. Iſt das Geſchäft halb abgethan, ſo verlangt er ſeinen Lohn, und wird ihm dieſer verweigert, ſo läßt er den armen Kunden unter dem Gelächter der Umſtehen— den mit einem glänzenden und einem ſchmuzigen Stiefel gehen. a
Eine der pittoreskeſten Induſtrien, die man ſich vorſtellen kann, iſt die— jenige, welche dieſen Winter auftauchte, und die darin beſteht, Tänzer für die Tanzunterbaltungen zu liefern. Da das Kartenſpiel die freiwilligen Tän⸗ zer immer ſeltener macht, ſo hat die tanzende Welt die Nothwendigkeit eines terpſichoriſchen Etabliſſements eingeſehen, welches kum billigen Preis Lohntän⸗ zer liefert, junge Leute von gutem Aeußern und anſtändiger Haltung, mit gelokten Haaren und weißer Halsbinde, mit ſchwarzem Frak, gelben Hand⸗ ſchuhen und unermüdlichen Beinen. Solch ein Tänzer ruht nie aus, zieht alle Wittwen auf, iſt mäßig im Getränke und enthält ſich des Gefrornen; er hat graziöſe Bewegungen und eine anſtändige Unterhaltung; man ſteht für ſeine Moralität: die Mutter wird ihn der Tochter erlauben; man ſteht für ſeine Redlichkeit: er wird nie den Hut eines Andern mitnehmen, und eben ſo wenig den Mantel, der nicht ſein gehört.
Auch die dramatiſche Welt nährt eine Menge pittoresker Induſtrie. Ohne das organiſirte Heer der Beifallklatſcher zu zählen, ohne welches eine theatra⸗ liſche Vorſtellung nicht beſtehen kann, gibt es auch eine Induſtrie von Außen. Die finanziellen Einrichtungen der Theateradminiſtrationen ſind ſeit einigen Jahren dahin gekommen, Darts mit einer Menge von Theaterbilleten zu über⸗ ſchwemmen, welche von den Direktoren, Regiſſeuren und Autoren unterzeich⸗ net ſind. Dieſe Billeten werden von einer großen Anzahl von Mäklern in der Näbe der Schauſpielhäuſer zu einem niederen Preiſe verkauft, als ſie an der Kaſſe zu haben ſind.
In der Geſchichte der Pariſer Sitten iſt es unumgänglich nöthig, einen Blik auf dieſe zügelloſen, flüchtigen, wechſelnden Induſtrien zu werfen, die ſich nach der Mode, der Jahres zeit und den Umſtänden ändern.
Leitung der Novitäten und Anfichten.
zweite in dem Cyklus der italieniſchen
Theater. Opernvorſtellungen. Wir lernten hier
wieder einige abſolute Sänger und
Wien(9. April). Donizet⸗ Sängerinen kennen, einen Signor San-
els Oper„I' Elisir d' Amore“ war die ti, Tenore, der ganz nett zu fingen


