Wir freuen uns auf die ferneren, noch bedeutenderen Gaſtpartien der Künſtle⸗ rin, die diesmal am Schluß der Oper zum zweiten Mal gerufen wurde. Zu⸗ nächſt wird ſie in Bellini's„Capuleti und Montecchi“ auftreten und was wir voraus davon hörten, läßt uns eine der bedeutendſten. Aufführungen dieſer Oper hoffen.— Den„BVarbier von Sevilla“ hatten die darin beſchäftigten Mitglieder mit manchem neuen Spaß ausgeſtattet, und die Herren Fiſcher (Figaro), Genée(Doktor Bartolo) und Greiner(Graf Almaviva) ſa— hen ihre Bemühung mit Beifall aner⸗ kannt. Aus der Oarſtellung ſprach die Freude der Sänger, durch Olle. Vial's Mitwirkung die Oper wieder in fri⸗ ſchem Leben zu ſehen; und wenn nun Olle. Hähnel zugleich mit der geſchäz⸗ ten Fremden auftritt, werden die Mu— ſik freunde Feſttage haben. V.
Rorreſpondenz.
München(2. April). Die mei⸗ ſten unſerer öffentlichen Arbeiten ſchrei⸗ ten raſch vorwärts; nur bei einer, und wahrlich nicht der geringſten, wird ge⸗ zögert, nämlich der Ludwigskirche, viel leicht dem großartigſten Bau unter al—⸗ len, die wir ſeit einem Jahrzehend ſo zauberiſch dem öden Boden entſteigen ſehen. Plan undLeitung der Arbeiten gehört dem Profeſſor Gärtner an, deſ— ſen fruchtbarem und originellem Ta⸗ lente wir auch die Bibliothek, das Blindeninſtitut und die Reſtauration des Iſarthors verdanken.— In der neuen Reſidenz herrſcht das rüſtigſte, ia eiligſte Leben. Die Maler müſſen bis zu beſtimmten Terminen fertig ſein, wenn ſie nicht bedeutende Abzüge an ihren Honoraren ſich gefallen laſſen wol⸗ len, und Tiſchler und Schloſſer geſel⸗ len ihr Handwerk nun ſchon der Kunſt bei: es wird oben ſo viel gehämmert,
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als Farben gerieben und gemalt.— Profeſſor Schnorr, dem es Anfangs beſtimmt war, in einem Zuge die Säle der Nibelungen zu vollenden, hat den Auftrag erhalten, drei Säle in dem zweiten neuen Flügel der Reſi⸗ denz zu malen, und damit auch die Erlaubniß, auf Jahre die Fertigung der Niebelungen hinauszuſchieben.— Daß die Preisausſezung für das beſte dramatiſche Gedicht, welches am Okto⸗ ber feſte präſentirt würde, mißlich und unſtatthaft gefunden wurde, iſt bekannt geworden, ſo wie, daß 9, ſage neun Münchener Dichter, bereits an die Aufgabe ſich gemacht hatten. Wer hät⸗ te geahnet, daß wir 9, und ohne Zwei⸗ fel ſämmtl. preiswürdige Poeten be— herbergen. N.
Miszellen.
Pe ſt h. Der bekannte Hr. Ho⸗ nigburger, ein Siebenbürger, der ſich durch ſeine merkwürdigen Reiſen im Oriente berühmt gemacht hat, iſt hier angekommen. Er wird ſich einige Zeit hier aufhalten und dann ſeine Reiſe nach Wien fortſezen. Das tür⸗ kiſche Koſtüm, in welchem er ſeine Wanderung durch Mittelaſien machte, hat er auch hier beibehalten. l.
Berlin. Ein neues Beiſpiel, wie nöthig Leichenhäuſer ſind, iſt in dieſen Tagen vorgekommen. Ein Dienſt⸗ mädchen erſtikte durch Kohlendampf, und ſchon wollte man die Unglük liche beerdigen, als bei dem Nahen ihres Bruders an den Sarg plözlich ihre blaſſen Wangen ſich rötheten. Man brachte ſie hierauf in ein Bett, und unter fortgeſezten geringen Lebens⸗ merkmalen lag ſie zehn Tage. Endlich erfolgte ein Blutbrechen und der Tod, worauf man ſie öffnete und beerdigte. Beiſpiele von Starrkrampf ſind jezt


