Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
248
 
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ſehr haufig, und vielleicht tragen die⸗ ſer und ähnliche Vorfälle bei, endlich dem Aufruf des menſchenfreundlichen Dr. Hufeland Folge zu leiſten und Leichenhäuſer zu errichten, in welchem alle mögliche Hilfe und Vorſicht bereit ſind. G.

Konſtantinopel. Hier iſt verboten worden, im Ramazan mit ei⸗ nem Regenſchirme herumzugehen, weil es unanſtändig ſei, damit dem ſpazie⸗ rengehenden Sultan zu begegnen. M.

München. Die Stadt Mün⸗ chen hat ihr früheres Stadtwappen, einen Mönch, wieder erhalten. D.

Varis. Bei der Dürftigkeit der politiſchen Ereigniſſe gewinnen man⸗ che Nachrichten einen wahrhaft lächer lichen Charakter. So lautet ein Arti kel eines franzöſiſchen Journals heut folgendermaßen. An der geſtrigen Börſe bieß es(alſo ungewiß) es ſei die Nachricht angekommen(alſo wieder un⸗ gewiß), die Karliſten hätten am 29., dem Geburtstage des Don Carlos, ei⸗ nen großen Handſtreich unternommen? O bewahre, das wäre ein viel zu poſitives Faktum zu unternehmen beabſichtigt(zum drittenmal un⸗ gewiß!) Und dennoch haben ſolche Schat⸗ ten von dem Schatten eines Schattens eine wahrhaft geſpenſtiſche Natur, und erſchreken die Börſenſpekulanten bis⸗ weilen aufs tödtlichſte!

Paris. Wir haben ein trauri⸗ ges Ereigniß anzuzeigen. Am 20. März bat ſich der Maler Leopold Robert, dem wir die beiden trefflichen Gemäldedie Schnitter unddie Fiſcher des adria⸗ tiſchen Meers verdanken, zu Venedig ſelbſt ums Leben gebracht. Man weiß nicht, was ihn zu dieſer unſeligen That verleitet hat. Briefe, die er kürzlich hierher geſchrieben, meldeten ſeine nahe Ankunft hierſelbſt. Die Freunde des

Känſtlers ſind um ſo erſtaunter über die That deſſelben, als er bisher ſtets ein völlig vorwurfsfreies Leben geführt hat, und wirklich religiös war. Man glaubt, daß ein Anfall krank hafter Schwermuth die traurige Urſache des verzweifelten Schritts geweſen ſein dürfte. Der Umſtand, daß man Waſ⸗ ſer in ſeinem Gehirn gefunden hat, beſtätigt dieſe Vermuthung. Die ganze Stadt Venedig hat Antheil an dem traurigen Ereigniß genommen. Die Aka⸗ demiker und Künſtler aller Nationen, die ſich daſelbſt befanden, begleiteten ſeinen Leichnam zur Beſtattung auf dem Lido, wo ſich der proteſtantiſche Kirchhof befindet. Leopold Robert war im Kanton Neufchatel geboren und war reformirter Religion. Er hatte unter David ſtudirt und eben erſt ſein 38ſtes Jahr erreicht. B.

Paris. Der Maler Lafontaine iſt im 79. Jahre geſtorben. Er war un⸗ ter Anderm im Beſiz von Rembrandt's Meiſterſtük: Die Ehebrecherin, das er einſt in einer kleinen belgiſchen Stadt wohlfeil kaufte, und ſodann für 140,000 Fr. nach England verkaufte. Napoleon wollte dafür nur 90,000 ge ben, und bekam es nicht. Gegenwärtig ſchäzt man das Bild auf 100,000 Thlr.

B.

Berlin. In der Charité zu Berlin befindet ſich ſeit 12 Jahren el ne Frau, welche regelmäßig drei Tage in der Woche ſchläft, und die übrige Zeit wachend zubringt. M.

Modenbild. Nr. 15.

pariſer Frühling danzüge vom 1. April. Die Dame: Hut von Pou de Sole. ueberrok von Gros de Naples mit Schnürchen elngefaßt. Der Herr; Tuchrok. Kaſimirpantalons.

Herausgeber und Verleger Jranz Wieſen.