Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
212
 
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vom Mergen bie zur o bie ſich ibm nabter Asodienz gegeben V und, erſchöpft vom vielen Sprechen, zog m 10 Ur aus den

ſich Nachts u Audienzzimmer in die inneren Gemächer zurük, um das Nachtmabl einzunch men. Aber ſelbſt bier ſollte ihm noch nicht Rube werden, denn man meldete ihm, daß noch drei Bauern im Vorſaale ſäſen und vorgelaſſen zu werden baten Ohne ſeine Erſchöpfung zu berükſichtigen, ſtaud der Kalſer auf, und mit der Bemerkung:Ja, wenn die braußen ſizen, ſo muß ich wohl aufſteben, ging er und gab den Bauern Gehör Bel einer ſtellen Bergpartie, welche der Calſer in Sprel unternahm, wollte ihm einer aus ſtintm Gefolge hilfreiche Hand leiſten. Der Kafſer aber ſah ſich nach ſeinen Tprolern um und ſagte: Ich verlaſſe mich auf euch. Ihr babt mich ale ſizen kaſſen Ein grelſer Tproler drängte ſich mit derbem Elfer an den Kalſer, welcher ihn fragte: was er den wolle?Di anſchaun, lleba Kona erwiberte der Alte. Nun, ſo ſchaue mich an le ſagte der Kalſer und ließ dem Tproler Zelt, ſich ihn anzuſehen. Auch äußerte er, von der Siebe der Tyroler tief ergeiffen: Es iſt gut, daß ich früher nie in Tyrol war. Hätte ich gewußt, wie man mich bier liebt, ſo würde ich ben Berluſt diefes Landes noch wenkger haben ver⸗ ſchmerzen können. Einſt legte ein beſonders geübter Kalligraph dem Kal ſer einen, aus lauter winzigen Schriftzügen auferordentlich gebildeten Dop⸗ peladler vor; jede einzelne Feder in den Schwingen des Vogels enthielt eine Sentenz, natürlich ſo ſein geſchrleben, daß man ſie mit bloßen Augen gar nicht leſen konnte. Dem Kalſer geſſel das kleine Kunſtwerk und er wünſchte endlich auch den Inhalt der in den Federn des Adlers verſtekten Sprücht zu

krſahren. Oleſe enthielten lauter Komplimente, deren Zwek as war, dle aus,

gezeichneten Regententugenden des Kaiſers zu preiſen. Dieſer ward ernſter er mochte in dieſen Sentenzen nicht die warme Begeiſterung der Llebe, ſondern den hohlen Schall der Schmelchelel erkennen. Ungeduldig unterbrach er den

Kalligraphen im Vorleſen und reichte ihm eln Geſchenk mit den Werten:

Nehmen Sie; Sie ſind ein tüchtiger Künſtler. Wären Ole kein Schmelchler,

ſe würde ich Sie weit beſſer belohnt haben. Ein junger Mann aus guter

Familie und von vortheilbaftem Aeußern ſtellte ſich ihm eines Tages vor und

eröſfnete ihm ſein Anliegen, nämlich, daß er ſich ſchon ſeit langerer Zeit zu

einer diplomatiſchen Laufbahn vorbereitet habe, daber dle meiſten kodten und lebenden Sprachen ſpreche und verſtebe, und ſich überhaupt mit ben nöthigen

Kenntniſſen zu dem erwähnten Berufe ausgeſtattet glaube, daß Ihn aber Par⸗

teilichkeit und perſönlicher Haß ſeiner Vorgeſezten bieher immer unterbrükt

und auch für die Zukunft beinahe jede Aus ſſcht verſperrt hätten. Der Kalſer redete ſofort den Bittſteller zuerſt in lateiniſcher, hierauf in italiegiſcher und zulezt in franzsſiſcher Sprache an z aber der junge ausgebildete Oißlomatlker wußte mit keinem Wort darauf zu erwibern.Es iſt möglich, ſagte der

Kalſer nach ziemlich langem Warten mit gütigem Tone,daf Sie in bieſem

Augenblike nicht die nöthige Faſſung beſigen. Sammeln Sils ſich und tragen

Sie mir dann Ihre Bitte in einer der Sprachen vor in welchen ich eben mlt

Ipnen redete. Darauf wendete ſich der Kaiſer zu anderen Blttſtellern,

und nach einer geraumen Welle trat er wleder zu dem Dlplomatiker, welcher

jedoch durch ſeln noch immer ſertgeſeztes Schwelgen ulcht mehr ſe int Blädig⸗ keft, ſondern ſeine Unwiſſenbeit bekundete Streng blikte der Kalſer ben