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Ignoranten an.„Sie haben nicht nur geprahlt, ſondern auch verleumdet,““ ſagte er mit ſtrafendem Tone,„gehen Sie und meiden Sie hinfort mein An⸗ geſicht!““— Während ſeines Sommeraufenthalts in Baden begegnete er eines Tages einem Leichenzuge. Der Todte, den ſie da zur Ruhe trugen, war ſo arm, aber auch ſo einſam und verlaſſen geweſen, daß auch nicht ein einziger Menſch, nicht ein liebendes Weſen dem ärmlichen Sarge folgte. Dieſes troſtleere Bild wenſchlicher Verlaſſenheit ergriff den Kaiſer tief.„War der Mann, den ſie da begraben, ſo arm und aufgegeben, daß auch nicht eine Seele ihn zur Gruft begleiten mag,“ ſagte er,„ſo wollen wir den Armen hinbegleiten.“ Und ohne Weiteres ging er hinter dem Sarge ber; ſeine Begleiter folgten ſeinem Beiſpiele, und da der Kaiſer es nicht verſchmähte, ſo ſchloſſen ſich alle Vorü⸗ bergehenden dem Zuge an. Der lezte Tag des verblichenen Armen ward für ihn zum Triumphzuge. Sein langes düſteres Leben wäre gewiß im voraus verſöhnt und gelichtet geweſen, hätte er gewußt, daß ihm ein ſolches Leichen⸗ begängniß werden ſollte. Und am Grabe angekommen, entblößte der kalſerl. Herr das ehrwürdige Haupt und betete für die Ruhe des— Vettlers. Für⸗ wahr, ein menſchlichgroßer Moment, echter, als mancher aus der alten Hel⸗ denzeit, mit welchen die Weltgeſchichte ſeit Jahrhunderten ber, gleichſam aus Angewohnheit, zu prunken pflegt!— Daß Wiener Bürger familien ſich in rein perſönlichen Angelegenheiten Ein einem beſtimmten Falle fragten z. B. die Eltern an: ob ſie die Heirath ihrer Tochter mit einem jungen Handwerker zugeben ſollten oder nicht?) ohne alle Nebenabſicht bloß um guten Rath an den Kaiſer gewendet, und ſolchen wirklich wie von einem Beichtvater oder alten Hausfreunde empfangen haben, iſt Thatſache, und war weder in den Augen des Monarchen noch der Unterthanen etwas Außerordentliche.
Die Kazen in Rom.
Die Stadt Rom wimmelt von Kazen; alle Tage zu gewiſſen Stunden ſieht man dort Fleiſcher die Runde durch die Straßen machen. Vei ihrem Aus⸗ rufe, den ſie genau kennen, kommen die Kazen aus den Häuſern, um etwas zu erhalten.— Alle Theile der Kaze werden in Italien als die kräftigſten Heilmittel angeſehen; am Halſe trägt man etwas, das wir nicht nennen, um ein gutes Geſicht zu bekommen, das Blut wird gegen die Epilepſie getrunken, das Fell beilt die Erkältigungen des Magens, und andere Dinge die Taub⸗ leit und die Gicht. Die zu Pulver gebrannte Leber wird gegen den Stein empfohlen und die Wärme der Ohren hält man für das beſte Heilmittel der Nagelgeſchwüre.
Die geſtohlenen Beine.
Ein junger Rechtsgelehrter in Wien trat einſt bei einem Balle einem Sekretär, der ſehr dünne Beine hatte, auf eines ſeiner Fußgeſtelle. Der Se⸗ kretär wurde wäthend, und fragte:„Na, So! glaubens etwa, daß i meine Bein geſtohlen hab?“„„Gott bewahr' les war die Antwort,„uybätten's ſich doch g'wiß da a Paar beßre ausg'ſucht!“


