Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
211
 
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die Dichterlaufbahn zu verlaſſen, ſo will ich den Gegenſtand Ihres Verkaufs für fünfzig Pfund Sterling an mich bringen, und ich fürchte, Sie werden keinen beſſern Handel für ihr epiſches Gedicht weder am Nord- noch am Weſt⸗ Ende finden; alſo, junger Mann, entſchließen Sie ſich, und wählen Sie zwi ſchen einer Brodrinde in einer Dachſtube und einer gebratenen Kalbskeule in meinem Wohnzimmer!

Ach! mit Erröthen zeichne ich den Verfolg auf: Plutus ſiegte über Apollo! Der unwürdige Barde willigte niedrigerweiſe in das Opfer ſeiner ſchriftſtelleriſchen Erſtgeburt, welche demnach vom Deputirten gekauft und ver brannt wurde, und ſo war die Ausſicht auf den Tempel des Ruhms durch eine gebratene Kalbskeule verdunkelt!

Wie ich gehört habe, ſo hat ſeitdem der Deputirte ſeinen Neffen in die Handlung aufgenommen und rühmt ſich ſehr, aus einem ſchlechten Dichter einen guten Kaufmann gemacht zu haben.

Cbarakterzüge von Kaiſek Franz J. (Aus der Braunſchweiger Zeitung.)

Bei ſeinem jüngſten Aufenthalt in Prag im Jahr 1858) erſchlen eines Tages vor dem Kaiſer, der gewohntermaßen auch in Prag ſeine Audienzſtun den für Jedermann ertheilte, eine arme alte Frau. Auf des Kaiſers Befragen ergab ſich, daß ſie ihren Lebensunterhalt durch ihren Leierkaſten erwarb, der eben jezt durch einen unglüklichen Zufall ſchadhaft geworden mar. Die Frau klagte, ſie ſei nicht im Stande, die Koſten der Reparatur, welche fünf Gul⸗ den betrügen, zu erſchwingen, und daß ihr dadurch die Gelegenheit benommen ſei, das Nothdürftige zu verdienen. Der Kaiſer händigte ihr zehn Gulden ein, und dankend wollte ſich die Frau entfernen; doch in der Thür kehrte ſie, das Geld betrachtend, wieder um, indem ſie nur fünf Gulden für die Re⸗ paratur brauchte und daher die Hälfte zurükgeben wolle.Behalte nur immer auch die andere Hälfte, ſagte der Kaiſer lächelnd,denn ſieh, dein Leierka⸗ ſten könnte ja wieder Schaden nehmen, und ich möchte dann vielleicht nicht ſo ſchnell wieder zur Hand ſein können, um dir die Reperatur zu zahlen. Auch ein alter ausgedienter Soldat erſchien in Prag vor ſeinem Kaiſer. Er hatte nichts weiter vorzubringen, als daß die ihm gewordene Penſion von täglich vier Kreuzern ihn nur unmittelbar vor dem Hunger ſchüzen könne, und er ſich wenigſtens einmal einen guten Tag zu machen wünſche. Der Kaiſer griff in die Taſche und reichte ihm einen Zwanzigkreuzer hin, mit welchem der alte Soldat freilich ein wenig überraſcht, aber doch nicht unzufrieden ſich entfernte. In der Thür aber rief ihn der Kaiſer zurük und fragte ihn, ob er daran genug habe? Der Alte meinte, daß ein armer Kerl, wie er, ſich gern mit Allem begnüge.Ich wollte aber damit ſagen, ſezte der Kaiſer binzu,daß du fortan täglich einen Zwanzigkreuzer haben ſollſt. Das Entzüken des alten Soldaten kann ſich wohl ein Jeder denken. Als der Kaiſer im Jahre 1815 zum erſten Male Tyrol beſuchte, griff ſeine heitere Leitſeligkeit auf das Innigſte mit der treuherzigen Biederkeit der dortigen Einwohner zuſammen. In Innsbruck hatte er am Tage nach ſeiner Ankunft