dritte und zehnte Menge wollen, was wir keiner verargen; denn dies neue Drama hat eben nur durch das Thea⸗ ter ſein eigentliches Leben und will keinem andern Boden angehören, kei⸗ nem andern Urtheil ſich unterwerſen als dem, welches von dem Mitanſchauen ausgeht. Die ſehr ſchwierige Darſtel⸗ kung zeugte von tüchtiger Sachkennt⸗ niß und macht dem Theater Ehre. Be⸗ ſonders ſind die Szenen, welche auf der Gallerie des Thurms von Notre⸗Dame ſplelen, in der Anordnung der Deko⸗ ration u. ſ. w. eine bedeutende Nuf⸗ gabe, deren geſchikte und gefällige Lö⸗
ſung ebenfalls durch lauten Beifall an
erkannt wurde. Mad. Birch Pfeiffer ſpielte ſelbſt die„Gervalſe“ mit voller Empfindung, die zumal bei dem Wie⸗ derfinden ihres Kindes mit allen Zügen der Wahrheit ſich äußerte. Olle. Sie⸗ bert 6,Esmeralda“) zeigt ihr Talent umfangreicher als wir es bleher wahr⸗ nehmen konnten, und wir hätten nur zu bemerken, daß ht mehrmaliges: „Ich will nicht! in ber Szene wo „Elaude⸗Frollo““ ſie fortzerrt, einen etwas edlern Ausdruk haben konnte. Dieſer ihr Verfolger wurde von Hrn. Laddey in feinem Maaß gehalten, was um ſo mehr Anerkennung verdlent, da ein Zuviel ſehr nahe liegt. Gleiches Lob verdient Herr Gence als„Quaſt⸗ modo, eine noch gefährlichere Aufgabe, da er mit allem Aeußeren und in je⸗ der That am Nonplusultra ſteht. Here Beckmann iſt in dem eigenthümlichen Charakter des Gaunerkönigs Clopin⸗ Trouilleſou voll geſunden Humors und Herr Schwanfelder(„Vhöbus de Chan⸗ teauperse!) findet den rechten Ausdruk in ſelner ſchwärmerkſchen Neigung zu „Esmeralda“. Dem oft wiederholten Beifall ſchloß ſich ein Hervorruf der genannten Schauſpleler und Schauſpie⸗ lerinnen an.— Am 19. d. MW. wurde im Hoftheater zum eren Male Nau
pach's hiſtoriſche Tragödie:„Kaiſer Friedrich 1.0% erſter Theil, oder:„Frle⸗ drich und Malland“, gegeben, und zwar mit einer Sorgfalt und Ausſtattung, wle ſie einem Dichter gebühren, der ſo viel für die Bübne gethan. Raupach erſcheint in dieſem Drama ganz wle in ſeinen andern hiſterkſchen Stüken des Hohenſtauſen⸗Cpelus; es iſt nicht die Fülle don Poeſſe, welche wir zu bewundern finden, ſondern das Groß⸗ artige der Au ffaſfung, die wirkſame Stellung der Figuren und die glän⸗ zenden Gedanken, welche vor bem Geiſte ausgebreitet werden. Das Drama be⸗ ginnt mit der Beſchwörung der ron⸗ kaliſchen Geſeze und endet mit Mal⸗ lands Untergang; Mafland, als die Heldin des Trauerſpiels, wird durch „Martins della Torre“ repräſentirt, ſein Schikſal iſt auch das ibrige. Frle; drich dagegen iſt der Vertreter Gottes, der die durch den Bruch der Geſeze ver⸗ lezte Maſeſtät deſſelben rächt. Die erſte Hälfte des Drama ſpielt zu ſehr mit Phraſen, Form und Vomp als daß ſie ſonderlich anziehen konnte z die lezte Hälfte dagegen iſt wahrhaft groß und der Glanzpunkt die allgemeine Noth der Stadt während der Belagerung. Das Publikum wurde ſichtbar durch die vorgeführten gräßlichen Bilder er⸗ griſſen und feſtgehalten. Hr. Rott, der den„Martino“ herrlich durch führ⸗ te, gewann reichen Beifall und wurde gerufen. Hr. Lemm gab ſeinen„Frle⸗ brich“ ganz dem Dichter gemäß, mlt Kraft, Nachdruk und deutſcher Bleder⸗ keit; auch er wurde gerufen. Blewel⸗ leu ſchien bei ihm bie phyſſſche Kraft nicht zuzurelchen. Hr. Krüger, als „Otte Vieconte“, sprach und ſplelte gut. Dlle. Bertha Stich, als„Ag⸗ nola““, gnügte und das war hinlänglich in der kleinen Rolle, Ausgezeichnet war Madme Crelinger als„Urſina“ vom Anfang bis zu Ende..


