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Sonder bares Teſtament.
Eines der ſonderbarſten Teſtamente, iſt wohl dasjenige, welches Luigi Cartucio, Richter von Padua, vor ſeinem Tode auſſezte. Die vornehmſten Klauſeln deſſelben waren folgende:„t) Ich will nicht, daß man nach meinem Tode mein Haus mit ſchwarzen Tüchern behänge; ich will, daß alle diejeni⸗ gen, die meiner Leiche folgen, grüne Kleider anziehen.— 2) Ich will, daß alle Violinen, Flöten, Pauken und andere muſikaliſchen Inſtrumente, die man in der Stadt auftreiben kann, zu meinem lezten Aſyl mich geleiten.— 5) Ich will, daß Derjenige, welcher bei meiner Beerdigung am herzlichſten lachen kann, mein alleiniger und univerſaler Erbe werde.“
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Braſillaniſche Hyperbeln.
Nach einem Gefechte zwiſchen der Armee von Buenos Ayres und den Vraſilianern, wobei die leztere zehn Todte verloren und die erſtere nur drei Verwundete hatte, wurde in Buenos Ayres ein großes Sieges feſt gefeiert und ein Altar des Vaterlands errichtet, auf welchem man folgende Aufſchrift las: „Sinkt in die Vergeſſenheit, ihr Schlachten von Marengo und Auſterlitz; ein einziger Tag der Söhne der Freiheit hat den Glanz eurer Namen ver⸗ —.— Auf der andern Seite ſtand:„Europa, du biſt ſtolz auf deine
ahrhunberte der Civiliſation und nennſt dich die Königin der Welt; aber, o Amerika, du übertriffſt Europa eben ſo weit, wie die ewigen Gipfel der
Anden die niedern Spizen der Hügel der Schweiz überragen.“
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Theater.
Berlin. Am 18. März gab man in königſtädtiſchen Theater zum erſten Mal:„Der Glökner von Notre-Dame, romantiſches Drama in ſechs Tableaux, nach dem Roman des Viktor Hugo, frei bearbeitet von Charlotte Birch-Pfei⸗ fer.“— Ein überfülltes Haus bewies hinlänglich, daß man von der bühnen⸗ kundigen Verfaſſerin vorausſezte, ſie werde aus dem buntſchauerlichen Stoff ein effektreiches Drama geordnet ha— ben, und das Publikum fand ſich nicht getäuſcht. Man hat oft über Mangel an Handlung zu klagen, hieß, iſt da⸗ von die größeſte Fülle und demnach
ten und anfichten.
vorweg begreiflich, daß eine feſte Ver⸗ bindung alles Einzelnen zum Ganzen nicht zu erreichen war, weshalb die Bezeichnung„Tableaux“ ganz geeig⸗ net erſcheint. Hinſichtlich der Theater⸗ wirkung verdienten dieſe dramatiſchen Bilder die Auszeichnung, welche ihnen von der höchſt befriedigten Verſamm⸗ lung zu Theil wurde; faſt jede Szene hatte den beabſichtigten Erfolg, weil jede die Spannung erhöhte. So wird unzweifelhaft„der Glökner von No⸗ tre-Dame“ ein Kaſſenſtük; denn wie eine erſte Menge ſich angeregt fühlte und durch alle Stationen des Unglüks, Mitleids, Schauders und Entſezens ſich wieder hindurch arbeitete bis zum Entzüken, ſo wird es auch eine zweite,


