Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
192
 
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Paris. Die Elnwohner der

Theaterſtraße in St. Quentin wurden

vor Kurzem des Nachts durch das Ge⸗ ſchrei:Diebe! Diebe! Es iſt ein Oleb Im Laden! Fanget ihn! in Beſtür⸗ zung geſezt, welches von einer Stim⸗ me, wie die eines Mannes, der erdroſ⸗ felt werden ſoll, ausgeſtoßen wurde. Beim Schein der herbeigeholten Later⸗ nen erblite man einen Schloſſergeſel⸗ len auf dem Dache eines Hauſes, der in der halsbrechendſten Stellung auf einer Dachrinne ſaß, und fortwäh⸗ rend obige Worte rief. Sogleich wur⸗ den alle Anſtalten zur Ergreifung des Diebes getroffen, jeder Zugang beſezt, und der Laden unten im Hauſe aufs Sorgfältigſte durchſucht; umſonſt, es war kein Dieb zu finden. Indeſſen war der Schreier vom Dache verſchwunden; man ging in ſein Zimmer, wo er im tiefſten Schlafe lag. Als man ihn auf⸗ wekte, und ihm erzählte, was er ge⸗ than, und in welcher gefährlichen Stel⸗ lung er ſich befunden babe, erſchrakr er heftig, Er war im Schlafe gewan⸗ delt, und dies, ſo vlel er wenigſtens wußte, ſein erſter Ausflug,. Straßburg. Im Departe⸗ ment der Dordogne fiel kürzlich zwi⸗ ſchen zwel Brüdern ein Piſtolenduell vor. Nachdem der jüngere den ältern gefehlt hatte, warf er ihn nieder und trat ſo lange mit den Abſäzen auf ihm berum, bis er ihn für todt hielt. Nach langer Ohnmacht erhob ſich dieſer, und ſchleppte ſich nach dem nächſten Dor ſe. wo er alle mögliche Hilfe erhielt. Man ſchreibt dieſen Mordverſuch einer Geld⸗ ſache zu. 2 Paris. Gall's Schädellehre hat eine neue Niederlage erlitten z man fand nämlich das Gehirn des berühmten Wundarztes Dupuytren nur mittel mä⸗ gig entwikelt. Bei dem Kopfe Napo⸗

leens war es eben ſo. Dleſe b ö Gegenbewelſe gegen dies Syſtem ſind indeß nicht die einzigen; dem Schädel, oder vielmehr der Schadellehre Gallxg nach gehörte der große Laplace zu den Blodſinnigen. An dem Schädel eines Schafes fand man dagegen die Erha⸗ benheiten, welche den Wiz, einen me⸗ taphyſiſchen Geiſt und die lebe zu Gott andeuten ſollen. B. Paris. Ein franzöſſſches Blatt N ſagt:Es gehen wichtige Veränderun⸗ gen in den Gewohnbelten des Hofes vor ſich. Die Stlefeln ſind verſchwun⸗ den, ob ſie gleich der Kronprinz eine 5 Zelt lang in Schuz nahm. Die Schuhe haben über die Stiefeln kriumphirt. Jezt iſt der Strelt auf die kurzen und langen Beinkleider übergetragen wor⸗ den; die leztern ſollen zu demokratlſch ſein. Ander weſentliche Ne formen werden vorbereltet, beſonders beſchäf⸗ tigt man ſich mit einer Angelegenhelt, die die Deputirten trifft. Man möck ke nämlich gern die eingerlſſene Oewohn⸗ heit abſchaffen, welche viele Mitglie⸗ der der Kammer haben, dle ſich erlau⸗ ben, ihre Einladungskarten zu Feſten in den Tullerlen ihren Verwandten und Freunden abzutreten, als wären es Theaterbillets. B. Paris. Hler macht gegenwar⸗ tig ein Mädchen von 15 Jahren gro⸗ ßes Aufſehen, bas ein Luſtſpiel unter dem Titel:die teſtamentariſche Klau⸗ ſel« geſchrieben hat, welches von Ken⸗ nern fehr gelobt wird. Am 19, Marz ſoll es von einer Privatgeſellſchaft auf⸗ geführt werden, wobei die Verſaſſerin ſelbſt eine Nolle übernehmen wird. B. München, Vor einigen Tagen iſt aus dem Rhelnkrelſe ein Vaket mit Abreſſe:An Wohlhochk Sr Wolge⸗ bohrn Hen. Ludwig, Heren Königliche

Majeſtat, wohnhaft in München ein⸗ gelaufen. M.

Herausgeber und Berleget ranz Wieſe n,