Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
191
 
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Manche Leute legen ſelbſt im Grabe ihren Herrſchſinn und den befehlenden Ton nicht ab, denn ein Amtsrath ruft noch unter dem Leichenſtein: Wanderer ſteh ſtill! ich ford re ein

Gebet von dir.

Im Gegenſaze zu dieſem brutalen Tod⸗ ten lispelt Graf C Wanderer bitte gütigſt für meine

Seele! das nenn ich mir einen Mann von Bon⸗ ton die Erziehung verläugnet ſich im Grabe nicht! Was ſehe ich, unter jenem Hügel ruht: Die Aſche einer guten See le ll! welch ein Tropus! in den neueſten Ge⸗ dichten unſrer modernen Dichter findet ſich kein ſo kühner Ausdruk!

Um die Geduld meiner Leſer nicht zu ermüden, will ich ſchließen; und nur als Antitheſen noch 5 Aufſchriften ge ben, die an Zartheit und Gemüth mit einander wetteifern.

1. Auf eine 16 jährige Jung⸗ frau.

Eine Blüthe für das Leben,

Eine Blume für das Grab,

Gott mit Schmerz zurükgegeben,

Der ſie uns zur Freude gab.

2. Auf eine 15 jährige dito. Sie ging dahin in zarter Blüthe; Wo ewig hell die Sonne ſcheint,

Der Mutter Stolz, das Bild der Güte, Vermißt von Allen und beweint!

3. Auf ein 5 jähriges Kind. Aeltern troknet Eure Thränen, Fällt Euch der Verluſt auch ſchwer; Wird der Welt ein Kind entzogen, Zählt Gott einen Engel mehr!

A diaphoros.

Miszellen.

London. Oaß ſich in Arabien noch jüdiſche Stämme mehr oder weni⸗

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ger unabhaͤngig von langen Zeiten her erhalten haben, iſt bekannt; durch den engliſchen Kapitän Owen aber, wel⸗ cher die ſüdlichen Küſten zu unterſu⸗ chen den Auftrag hatte, erfahren wir, daß ein Iſraelite dort eine neue Herr⸗ ſchaft begründet, und ſich zum Sultan von Morbut und Dſchoffar emporge ſchwungen habe. Mohamet⸗Ben(Sohn) Akel, ein reicher Iſraelite, benuzte ſeinen Reichthum, um 1000 Nubier anzuwerben und einzuüben, und be⸗ mächtigte ſich mit Hilſe derſelben der ganzen Küſte von Fortak an bis Gar⸗ rew, und landeinwärts bis zur Stadt Hadramand. Ein Reich dieſes Namens gebe es gar nicht, obwohl es in vielen unſerer Karten und Kompendien noch prange. M. 5 Konſtantinopel. Im Laufe des vorigen Jahres kamen durch Kon ſtantinopel 508 Pilgrimme aus dem ruſſiſchen Reiche, nämlich: 106 Chri- ſten(52 Männer und 54 Weiber) nach Jeruſalem und dem Berge Athos; 551 Iſraeliten(154 Männer und 197 Wei⸗ ber) nach Paläſtina, und 51 Mu hame⸗ daner, worunter 1 Weib, nach Mekka. G. Paris. Mad. Malibran hat ih⸗ ren Eheſcheidungsprozeß gewonnen. Am 25. März 1826 ward ſie zu New⸗York durch einen Civilakt vor dem franzöſi ſchen Konſul mit Herrn Malibran, der damals amerikaniſcher Bürger war und ſich jezt zu Paris aufhält, verbunden. Von der kirchlichen Einſegnung der Ehe ſcheint die Rede nicht geweſen zu ſein. Das Civil⸗Tribunal zu Paris hat das Bündniß für nichtig erklärt, weil der Konſul nicht kompetent geweſen, es zu legaliſiren. B. Dijon. Hierſelbſt hat ſich am 25. Februar eine homöopathiſche Ge⸗ ſellſchaft konſtituirt; Doktor Hahne⸗ mann ward zum Ehrenpräſident er⸗ nannt. 2.