180 zugleich im weißen und ſchwarzen Schleſer). Ganz und gar außer ſich, be⸗ ſchwor er ſie, ſolchen Vorſaz fahren zu laſſen; vielmehr zu glauben, daß es noch rühmliche Ausnahmen gebe, wie denn er, Benedikt junjor, woblangeſehe⸗ ner Kauf⸗ und Handelsberr, in ſeiner ihr ergebenen Verſon eine ſolche dar⸗ ſtelle, der ihr zu Gefallen ſich in Gottesnamen einem Tanz- und Mufikmeiſter zur Dreſſur hingeben wolle 5
Spina dachte in ihrem Herzen, das ſoll euch erlaſſen 1 wenn Ihr nur gehörig nach meinem Pfeiſchen tanzt. Da ſie ſich aber beſann, daß leicht ſeuerfangender Stoff, wie Reiſig und Stroh, auch ſchnell verlodert, und zu⸗ bleich beſorgte, daß wenn der verliebte Senhor Benedikt wegen dieſer Sache näher mit ſich, einem guten Freund oder Verwandten zu Rat he geben ſollte ſein Vorſaz ihn leicht gereuen könne; ließ ſie ſich nicht allzu lauge beſtür men, den ihrigen, nur zum Schein gefaßten aufzugeben. Doch wußte die Schlaue es ſo einzurichten, daß der Liebhaber ſteif und feſt glaubte, ſie bringe ibm Wunder welch' großes Opfer, den Wiktwenſtuhl zu verrüken,
Bei dem Allen gerieth die Helrath beſſer als der Leſer viellelcht denken wird. Anſtatt ihren Mann zum Künſtler und Virtuoſen zu machen, hielt ihn Spina vielmehr an, ſich erſt recht in ſeinem Gewerbe zu rühren, und je län⸗ ger er unter ſeinen Gebinden und Ballen handtblerte, hinter den Rechenbü⸗ chern und Geldſäken ſaß, je lieber war es ihr. Wenn aber„das trauteſte Benediktchen““, gleich einem abgearbeiteten Hamſter zum Borſchein kam, wußte die Senhora gar ſchͤn mit ihm zu thun, und mit den artigſten Worten und Geberden ihm Alles, was ſie nur irgend wollte, abzuſchwazen.
So zu Wohlſtand und Lebensgenuß zurükkehrend, ſohnte ſich Spina auch wieder mit ihrem Stiefvater aus, indem ſie nun wohl einſah, wie gut derſelbe es mit ihr gemeint habe. Als aber Senhor Gabriel, da ſie ſich einſt⸗ mals unter vier Augen befanden, nekend zu ihr ſagte:„Wie nun, Spina, wollteſt Du noch eher alles Andre thun als Senhor Benedikt zum Mann haben?“ entgegnete ſie, mit dem keken ſpöttiſchen Blik, der dem kleinen Ge⸗ ſichtchen ſeinen eigenthümlichen Ausdruk von Schalkhelt gab, ihn anblinzelnd: „Herr Vater, Verſtand kommt mit den Jahren, und nachdem ich klug gewor⸗ den, iſt mir wahrhaftig der Eſel, welcher mich trägt, lieber als das Pferd welche mich abwirft!““) E. Karol.
Die Kartenſchlägerin zu Nian cy.
Bel dem Aſſiſſengerlcht des Meurthedepartements kam bieſer Toge folgen⸗ der Kriminalfall vor. Barbe, Kutſcher zu Nancy, hatte ſich vorgenommen ſeine Geliebte, die ihn nicht beirathen wollte, umzubringen und ſich dann ſelbſt den Tod zu geben. Am 31. Dez. kommt er in ein Wirthsbaus und läßt ſich Wein bringen. Während er trinkt, geht die Thüre auf und eine Alte tritt ein, die im ganzen Quartier als geſchikte Kartenlegerin bekannt iſt.
) Das heißt als Noble und Nonne eingekleidet. „) Portugieſiſches Sprichwort: Mais qusro àsno que me léve, gue cavallo que me derrube. 1 5


