Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
179
 
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Die Ebraer, welche, wie geſagt, Leute vom Fach waren, machten übte Wege mit nichten vergeblich, vielmehr brachten ſie Spina den Beſcheid, daß Senhor Benedikt des Eheſten bei ihr erſcheinen werde.

Dieſer, ſowohl von Spina's Angelegenheiten genau unterrichtet, als auch im Verkehr mit ſolchen Geſchäftsleuten nicht ungewizigt, wußte ſogleich, was die Beſtellung zu der Wittwe zu bedeuten habe.

Zulezt, rief er fröhlich ſeine Hände reibend aus,zulezt ſchlägt doch jedem Dinge ſeine Stunde, wenn der Menſch nur Geduld hat, es abzuwarten. Endlich wird ſich alſo der langgeſparte Groll dieſes meines ſo wohlmeinenden Herzens gegen die hochmüthige Spina Luft machen, und, meiner Treu! ſie ſoll füblen, daß er durch das Lagern und Aufſpeichern nichts verloren hat. Ja recht bitterlich, in das tieſſte Adernblut, will ich ſie beſchämen, und das kei⸗ neswegs mit zornvollen und heftigen Reden; ſondern vielmehr mit feinen und wohlgeſezten werde ich mich ſehr höflich erkundigen, was es mit ihren ſchönen Künſten und Zeitvertreiben für einen geſegneten Fortgang gewonnen? Ob ſich fär die an Geiſt ſo reiche Senhora aus den hinterlaſſfenen Blumenſträußen des ſeligen Gemahls, an deſſen Hand ſie durch das Leben getanzt, eine hübſche Erbſchaftsmaſſe heraus buchſtabiren laſſe? Ich, werde ich dann gegen die vor Verlegenheit und Schaam Verſtummende fortfahren, habe mich bis Dato noch immer weder auf Geſang noch Räthſelkunſt gelegt, weshalb ich denn auch nicht errathen kann, was ein ſtumpfſinniger Pfahlbürger und Philiſter mit einer ſo talentvollen erhabenen Dame zu verkehren haben ſollte. So verhöhnt, ja ganz vernichtet werd' ich ſie dann ſtehen laſſen, und kein Mitleid und nichts ſoll mich daran verhindern, dieſe Strafe zu vollſtreken.

Wie grimmig aber Senhor Benedikt auch den Gang antrat, und unter wegs ſeine Worte in Gedanken ſezte: als er der Wittwe, der die Miene des Kummers einen ſchmachtenden Ausdruk gab, gegenüber ſtand, brach ſich die Fluth ſeines Zorns, und war faſt bis auf die Erinnerung daran rein wegge⸗ ſpült. Spina hingegen, welche doch vielleicht den erſten Vorſaz auf ſeinem Ge⸗ ſicht leſen mochte, begann gleich damit ſich bitter anzuklagen und zu ſchmähen, daß Benedikt, ganz erweicht, zahlreiche Entſchuldigungen für ſie wußte, wenn er ſchon als ein vorſorglicher Mann anſtand, davon etwas auszuſprechen, viel⸗ mehr mit einem vollſtändigen Novembergeſicht darein ſah, wo zwar die Sonne durch zerriſſene Wolken hellglänzend hervorbricht, aber um Waſſer zu ziehen, und wo man immer auf Regengüſſe gefaßt ſein muß.

Die Wittwe, ſich ſtellend, als bemerke ſie nichts von dieſem Kampf der Elemente, fuhr in ihren Anklagen gegen ſich ſelbſt fort, zugleich aber auch ihn als anerkannten ſtandhaften Freund zu preiſen, den ſie vertrauensvoll aus⸗ erleſen, ihre weltlichen Geſchäfte mit ſeinem Beiſtand zu ordnen.Denn, ſprach ſie weiter,nach den Erfahrungen, die mir geworden, und wie ich die Männer habe kennen lernen, ſteht mein Entſchluß unerſchütterlich feſt, je eher je lieber eine Braut des Himmels zu werden, und mich dem Herrn durch Ent ſagung der Welt, und zur Büßung früherer Sünde, zum Opfer darzubringen.

Als Benedikt ſolche Worte hörte, trat ſein Herz(die Sonne ſeiner Lei denſchaft) ohne weiteres in das Zeichen des Löwen), und er ſah die Schöne

) Nach dem Kalender der 2tſte Juli.