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immer klefer in den Sumpf ihres Jammers, In den ſie, von einer lachenden Ucberkleidung angelokt, ſich ſo muthwillig begeben hatte.
Al fonſo, ſtatt ſich zu entſchuldigen, oder darauf zu denken ihre Umſtände durch Arbeit und Einſchrankung zu berbeſſern, machte ſeiner Frau vlelmebr Verwürfe, daß er, in Hinſſcht der Mitgift getäuſcht, von ihren Bliken gean⸗ gelt, eln beſſeres Glük berſcherzt habe. Als die unbezahlte Diene und nach fortgelaufen war, verlangte der verwöhnte Kapaller von ntedre Aufwartung und Entbehrungen aller Art, ſprechend, ihrem Stande und ihrer Geburt komme das zu, wie dem ſeinigen gehörige Bedienung und ſich nichts abgehen zu laſſen. 5
Wohl hatte die junge Frau zuerſt verſucht, ſich, wie gegen Mutter und Valer, auch gegen Alfonſo zu ſezen z dleſer aber verſtand ihren Geiſt ſo zu beugen, und durch Spott, Kaltſinn und Härte binunter zu halten, ja einen ſolchen Ton anzunehmen, daß Jene, das Aergſte fürchtend, in ſeiner Gegen⸗ wart nicht einmal zu murren wagte. Zulezt ließ er ſle meiſt zu Hauſe einge⸗ ſperrt ſizen, während er ſelbſt ſich in Spielhäuſern und andern ſchlechten Or⸗ ten umher krieb. Dabei ging es dem Senhor aber einſtmals übel, indem eln Spanier die Kunſt, mit der er ſein Glük im Knöpeln zu verbeſſern ſtrebte, mit einem nachdrüklich geführten Meſſerſtich lohnte, ſo daß man ihn blutend und ſchon ſterbend feiner Frau heimbrachte.
In Wahrheit geſchah der Dame durch Al fonſo's Tod das Beſte was ſſe von ihm erwarten konnte, doch ließ, obgleich dieſes richtig begreiſend, Spina es nicht an jammervollen Aus rufungen, Thränen, Seufzern und allen erbenk⸗ lichen Bezeugungen der Traurigkeit fehlen. Da ſte nun aber gewahr ward, daß die ſalzigen Fluthen, womtt ſie das reizende Geſicht überſtrͤmte, weder ein Lebens ⸗ noch Schönheitswaſſer ſel, beſchloß ſie dieſelben einzuſtellen, und ſich über haupt des Kummers zu entſchlagen.
Das war unter ſolchen Umſtänden frellich keine leichte Sache, da ble Denhora theils von Gläubigern hart bedrängt, theils von früheren und ſpaͤte⸗ ren Bekannten und Tiſchfreunden über die Achſel angeſehen, oder mit mä ſſi⸗ gem Bedauern abgefertigt ward. Zudem waren gute Worte geben und Bitten niemals Sping's Sache geweſen, ſonſt hätte ſie ſich wohl au ihren Stklefbater, den Senhor Gabriel wenden können, der wegen ihres ſtörriſchen Weſens erzürnt, noch überdies durch Alfonſo's hochmüthiges Betragen beleidigt, ihre Schwelle mit keinem Fuß betreten hatte; aber deshalb angegangen, ihr gewiß mit Rath und That würde beigeſtanden haben.
Weil nun aber dle lunge Wittwe ſeine Vorwürfe fürchtete, beſchloß ſie viel eher alles Andre zu khun. In dieſer Bedrängniß fiel ihr Seuhor Bene diet ein, von dem ſie wußte daß er, emſig betriebſam, nach wie vor derſelbe ehrſame Junggeſell, ſelnen Wohlſtand noch ſehr vermehrt batte. Des Sprich⸗ worts gedenkend, daß alte Liebe nicht roſtet, beſchloß die Wittwe ſich an kei⸗ nen Andern zu wenden.
Erſonnen und vollführt! Zwel jüdiſche Makler, welche dergleichen zarte Geſchäfte ſeit einer Reihe von Jahren mit Elnſicht und Glük betrieben, wur⸗ den beſchikt, und ihnen dle gehorige Selohnungzzugeſichert, weun ſie die Sache in Gang brächten. f


