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wertheſte Sen hora. des geſegneten Standes, welchem ich euch einzuver⸗ leiben beabſichtige, erledigt ſcheint, acht' ich, daß nichts mehr im Wege ſteht, uns unter Zuſtimmung unſerer beiderſeltigen Eltern mit Hand und Mund zu verloben.“.
Als Benedikt dieſe lange Rebe geſprochen, zog er einen koſtbaren Ring, welchen er zu dieſem Behuf bereits zu ſich geſtekt, unter ſeinem Mantel ber⸗ vor, und wollte denfelben mit füßer Miene der Schönen an den Finger ſchie⸗ ben. Dieſe jedoch wußte, ſchlüpfrig gleich einem Aal, ibre Hand ihm zu ent⸗ ziehen, und den beſtürzten Liebhaber mit ihren brennenden Augen anblizend⸗ ſprudelte ſie höhniſch herbor: 5
„Wie kann ein ſolcher Spießbürger und jämmerlicher Vhiliſter die plum⸗ pe Hand nach einer Sache ausſtreken, die er nicht zu behandeln welß, und deshalb nur verderben würde. Denkt ihr etwa, Senhor, daß ich, eine Ehe⸗ frau werdend, geſonnen bin, den Garten meines Gelſtes brach liegen, und all die ſchönen Talente verkümmern zu laſſen, welche das Leben zieren, und den Menſchen von dem unvernünftigen Vieh unterſcheiden? Wiſſet denn, daß, weit entfernt dabon, ich nur einen ſolchen Gemahl wählen werde, der ſowohl Veedienſte dieſer Art gebörig zu würdigen, als auch durch Rath und That zu deren welteren Anbau mir behilflich zu ſeln verſteht. Euch aber geb' ich den Rath, nach einer felſten Bäkerstochter auszuſehen, welche euch die Pfeffer„und Geldſäke nähen, ſich mit der Behaglichkeit einer guten Krömerin begnügen, und mühſam an den Fingern rechnend eure Zahlen ⸗Gelehrſamkeit und Künſte ſattſam bewundern kann, nicht aber nach edlen und wohlgezogenen Frauen; zimmern.“
In dieſer Art fuhr Spina, als ſei ihr von dem jungen Kaufmann dle größte Beleidigung zugefügt, fort zu elfern, daß dleſer ganz verbuzt, zu Bo⸗ den geſchmettelt und beſchämt es zulezt ſelbſt glaubte, und ſich gleich einem Hund, den man begoſſen hat, und ohne nur eln einziges Wort hervor brin⸗ gen zu können, ſchnurſtraks empfahl. Deſto beſſer aber floſſen die Reden des Papg Gabriel. Wiewohl auch er Anfangs über die Wendung, welche dieſe von ihm mlt ſo vielem Bedacht eingeleltete Sache nahm, ganz ſtarr ſtand, löſete ſich ſeine Zunge doch bald, und heftig wie noch nie begann er mit Spina zu hadern und ihr zu drohen. Dieſe, keineswegs eingeſchüchtert, entgegnete ganz kek und ſchnüppiſch, daß ſie nimmermehr einen Einfaltspinfel, wie Benedikt, beirathen werde, und ob Gabrlel's jeziges Betragen mit in das Gelübde ge⸗ ſchloſſen fei, welches er einer Sterbenden in Betreff ihres Kkndes gethan? Gabriel, ganz erboſt, antwortete ihr, daß, wenn es ſo gemeint ſel, die Sen⸗ org ſich nur ſelbſt nach einem paſſenden Gemahl umſehen könne z darauf ging er maulend ſeiner Wege. 5 8
Spina, trozig, durch das Vorgefallene wie durch den Strelt aufgereizt, lleß ſich ſein leztes Wort nicht umſonſt geſagt ſein. Ueberhaupt war ihr das Heirathen einmal in die Gedanken gekommen, und ſo blel es ſich mit Ehren lleß äugelte ſie nach dem erträumten Vogel Phönix aller Orten umher ver⸗ ſchmähte auch nicht allerlei Redensarten gegen gewiſſe Weiber fliegen zu laſfen, welche bald unter jenem Vorwand von Haus zu Haus Geſchichtchen und Neuig⸗ keiten zutragen, weswegen ſie denn auch mehr noch als ihres unterſchledlichen Krames balber, ben der thöricht neugferigen Jugend berufen werden. Auf der⸗


