Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
173
 
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gleichen Aeußerungen aber pflegen jene Spinnen hin und her zu ſchlüpfen und bre Neze auszuſpannen.

Nun war Oporto ſchon damals der Ort nicht, wo man nach irgend einer Waare vergeblich auszuſeben nötbig hatte. Unter den vielen Menſchen, welche aus allen Weltgegenden da zuſammen ſtrömten, fehlte es am wenigſten an ei⸗ ner Muſterkarte von jungen Geſellen und Glüksrittern, welche in den Künſten, wonach Spina fragte, zum Theil nicht ungeübt, und dabei von Wunder wie einſchmeichelndem Weſen waren. Wer ihnen aber zumal den Rang ablief, war Al fonſo, ein Italiener von Geburt, und der jüngere Sohn eines vornehmen Hauſes. Dieſer, da er ſein Erbtheil daheim durchgebracht, war auf gut Glük in die weite Welt gegangen, und ſo auch nach Porto gekommen; übrigens mußte man eingeſtehen, daß Senhor Alfonſo auf ſeine Jugend, auf Schönheit, feines, gewandtes Weſen und Anſtelligkeit zu Allerlei ſich ſchon verlaſſen durfte. Dieſem nun wardda man ihn von wegen feines ſtattlichen Auftre⸗ tens und Müſſiggehens für einen eben ſo reichen als vornehmen Herrn hielt, von einer Salbenkrämerin von Spina geſprochen, und wo dieſelbe während des Hochamts bei den Franziskanern könne geſehen werden. Der Italiener, neu gierig eine ſo gerühmte Schönheit zu ſchauen, verſäumte eben ſo wenig ſeinen Standpunkt gut zu wählen, als Spina ſich enthielt, dieſen mit den Streif⸗ lichtern ihrer brennenden Augen, als wie von ungefähr aufzuſuchen.

Von beiden Seiten fand man, daß die Beſchreibung weit von dem Bilde ſelbſt übertroſſen werde; Spina noch überdies las aus den blizenden. Au⸗ gen, womit der fremde Jüngling nach ihr binſchmachtete, daß er ſowohl Räth⸗ ſel aufzugeben als zu rathen verſtehe. Sein leichter ſchwebender Gang, wo⸗ mit er die ſtolze Geſtalt bewegte, wie die edle Geberde, war ſchon an ſich Tanz zu nennen; um die blühende Lippe ſchienen die Genien des Scherzes und Wizes zu ſpielen, und ein gereiſter Mann mußte viel erfahren haben. Als tief gelehrt in der Blumenſprache gab ſich der Fremde durch den ſo ſinn⸗ voll als zierlich geordneten Strauß kund, welchen er der Senhora durch eine Slumenhändlerin geſchikt in die Hände zu ſpielen verſtand, und die rührendſte Serenade, welche in nächſter Nacht unter ihrem Fenſter erklang, ließ ihn als Tonkünſtler und Meiſter in allen Proben beſtehen, welche Spina über den Mann ihrer Wahl zu verhängen für nöthig fand.

Nach dem Allen gab es auf der Welt für ſie keinen wünſchenswertheren und würdigeren Gemahl, und da Al fonſo ſeinerſeits gehörig verliebt und, über das Heirathsgut der Schönen verblendet, entſchloſſen war, über ihre nicht adelige Geburt binwegſebend, Ernſt zu machen denn dieſen Punkt hielt Spina bei ihrem Unternehmen ſorgſam und unverrükt im Auge hatte der Liebeshandel durch alte Weiber und dergleichen Zwiſchenträger ſeinen guten Fortgang. 4

Da die Dame nunmehr das Schifflein ihrer Wänſche glüklich bis ſo weit bugſirt hatte, nahm ſie weiter keinen Anſtand, dem Senhor Gabriel zu er klären, daß ſie nach ſeinem Willen gethan, und ſich den für ſie paſſenden Gat⸗ ten ausgewählt habe. Der ehrliche Kaufmann ſiel gleichſam aus den Wolken, doch war es ihm keineswegs zuwider; er ſagte nur, daß er ſich nach ihrem Ge liebten erkundigen wolle. Was der Stiefvater erfuhr, war freilich ganz und gar nicht nach ſeinem Sinn, und er verhehlte es Spina keineswegs. Als die e