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„Ganz gewiß nicht,“ erwiderte der junge Handels berr, e brod⸗ loſe müßig gängeriſche Künſte ſind nicht für einen Mann, der in der Welt ſein ehrenvolles Geſchäft und Auskommen hat.“
„Aber um aller Heiligen Willen, womit, wenn ich wirklich eure Frau werde, wollt Ihr mich denn unterhalten?“
„Was das anbetrifft,“ ſprach Benedikt leicht au fathmend und gel erfreut, „boff' ich euern Herrn Vater, ſo wie euch ſelbſt, allerhol deſte Dame, voll- kommen zufrieden zu ſtellen, indem ich nicht nur verſprechen und verbürgen will: euch mit Nahrung, Kleidung, Wohnung und Dienerſchaft euerm Stande und zarten Perſon gemäß lebenslang zu verſehen, ſondern auch ſofortige Ver— ſchreibung eines angemeſſenen Witthums, ſo weit dies in der Macht eines Men— ſchen ſteht, eure Zukunft zu ſichern.“
Spina fand doch für gut, das Gelächter, welches ihr im Halſe krib— belte, hinunter zu zwingen, und entgegnete ſo ebhrbar ſie es nur vermochte: „Die Wahrheit zu geſtehen, Senhor, begehrte meine Frage von euch zu wiſ— ſen, womit Ihr in den angenommenen Fall mir die Zeit zu vertreiben ge— dächtet?“
Der Freiersmann ſtand einige Minuten betreten und nachſinnend, dann aber, und als ob ſich ibm ein Stein von der Bruſt wälze, rief er aus:„Ach, Ibr allergütigſte Senhora, wenn Ihr mit ſo wohlſeiler Unterhaltung vorlieb nehmen wollt, werde ich es meines Theils gewiß nicht daran fehlen laſſen. Ich will euch von jedem Pfefferſak und Schlauche Wein in meinem Gewölbe weit und breit erzählen und euch nach nnd nach in all' die Heimlichkeiten und klei— nen Kunſtgriffe einweihen, wodurch ein kaufmänniſches Geſchäft gedeiht, ohne daß man deshalb vor der Welt zum Schelme werden, noch ſeine Kundſchaft ein büßen müßte. Wenn ich Zeuge oder andere Waare zu Schiffe oder auf Eſeln kommen oder verladen laſſe, kurz irgend eine Handelsunternehmung beſchließe, ſollt Ihr im Rathe ſizen, und bei jedem Gewinn ſoll noch für euch an Kleino— dien und Zierrathen etwas Beſonderes abfallen. Dagegen will ich es Euch nicht verbergen, wenn ein Handelsfreund mich betrüben, oder irgend ein andrer Un— fall treffen und bedrohen ſollte; dieſes zuſammengenommen aber wird einen reichlichen Stoff zu Geſprächen geben. Dann wird euch gleicherweiſe das in Ordnung halten eurer Dienerinen die Zeit vertreiben, und das Sorgen für die lieblichen Kleinen, womit der Himmel unſre Ehe nicht ungeſegnet laſſen wird, dürfte vollends zur ſüßen Kurzweil werden, daß Ihr bei ſo nüzlichee Beſchäftiguug gar kein Verlangen nach Blumen, Räthſeln und dergleichen Narreteidingen verſpürt. Sollte aber doch dazu Muße und Neigung entſtehen, ſo iſt für Geld Alles berzuſtellen. Auch werd' ich, wenn Ihr an dem, was ich Neues aufzutiſchen vermag, nicht geſättigt ſeid, den und jenen von meinen geſezten Freunden bei euch einführen, die als Schiffer und Kaufleute weit um— ber gekommen, ja zu Waſſer und zu Lande mancherlei, beinah unglaubliche Dinge geſehen haben. Nun kann ich freilich zu meinem Bedauern nicht in Abrede ſtellen, das dieſe gereiſten Leute nicht gerade die zierlichſten ſind, viel⸗ mehr ſtatt wohlgewählter Redensarten die gräulichſten Flüche und Zoten nicht ſelten im Munde baben, auch nach Theer, Thran und anderen Spezereien ge⸗ meinhin übel zu duften pflegen; auf jeden Fall aber ſollen ſie uns geaug vorſchwadroniren. Wie mir nun hiedurch jedes Vedenken, welches Ihr liebens⸗


