164
alſo, daß ſie mit dem wohlhabenden, gefügſamen Benedikt ein behagliches Le⸗ ben nach ihres Herzens Gelüſten führen werde, und daß dieſe Partie beſſer ſei, als ſie nach ibrer mittelmäßigen Ausſteuer erwarten konne. Spina horchte mit beifälliger Aufmerkſamkeit, und obgleich ſie bei dem lezten Theil der vä⸗ terlichen Rede die Lippen höhniſch aufwarf, gab ſie doch ganz vergnüglich zur Antwort, Gabriel möchte den Freiersmann, daß ſie ihn in Augenſchein nebme, eheſtens mitbringen.
So ward dem jungen Menſchen Votſchaft geſendet, daß er die Segel zur hoffnungsreichen Fahrt, welche ihn in den Hafen ſeiner Wünſche tragen ſollte, friſch aufziehen möge, und es bedurfte nur des Hauchs dleſer Worte, ihn auf das Ziel losſteuern zu laſſen, mit einem innerlichen Ungeſtüm, wie nach langem Lauf der Douro ſich lechzend ins Meer ſtürzt. Mit nicht mißfal⸗ ligen Bliken ließ die unter züchtig niedergeſchlagenen Wimpern neugierig ber⸗ vorblinzelnde Spina Geſtalt und Geſichtszüge des Liebhabers die Muſterung paſſiren. Selbſt ſein blödes, unbeholfenes Weſen fand noch Gnade vor ihren Augen, da ſie— freilich nicht mit Unrecht— annahm, ihre Schönheit ſeze ihn in ſolche Verwirrung.
(Fortſezung folgt.)
Der große antihomöopathiſche Neichstag zu Nürnberg.
Der weite Naum faſt kaum die Zahl der Gäſte, Die wallend ſtrömen zu dem Apotheker feſte.
Der 19. Febr. war angebrochen, der Tag, welcher die inbaltſchwere Streitfrage über Alleopathle und Homöopathie entſcheiden ſollte, eine Frage, die ſeit 1 Monaten in Nürnberg die Gemüther in eine Aufcegung verſezt, wie man ſich ſeit dem Welt- Ereigniſſe der Julirevolution und ihren gewichti⸗ gen Folgen nicht erinnert, am wenigſten aber je in Bezug auf eine wiſſen⸗ ſchaftliche Angelegenheit im großen Publikum geſehen hat. Die Verſammlung fand im Saale des Gaſthauſes zum rothen Hahn, Morgens 8 Uhr, ſtatt. Die Bank der Biſchöfe, d. h. der Apotheker, wahr zahlreich beſezt; hinter ihr reiheten ſich die Bänke der Gläubigen und Ungläubigen im bunten Gemiſche⸗ die Neugierigen aber gruppirten ſich in Ermangelung der Gallerie, im Hin— tergrunde. Die für jede geſezgebende Verſammlung bekanntlich äußerſt kizliche Wahl eines Sprechers, wurde dadurch glüklich beſeitiget, daß der kön. Kreis und Stadtgerichts⸗Phyſikus die Sizung mit einer Rede eröffnete, in welcher er, die Wichtigkeit des Gegenſtandes bervorhebend, die Anweſenden ermahnte, allen Scherz zu beſeitigen. Der Rebner ſezte ferner den Zwek und die Wich⸗ tigkeit der Verſammlung auseinander, bemerkte, wie es ſich davon handle, die Wirkung des decillionſten Theils eines Salzkorns auf den menſchlichen Körper zu erproben, ein Verſuch, der in ſolcher Ausdehnung noch nirgends in der Welt ſei angeſtellt worden und lud denjenigen Theil der Verſammlung, welcher ſich zur Erprobung an ſeinem Körper bereits erklärt habe, ein, entweder am 12. März d. J. wiederum in dieſem Lokale zu erſcheinen oder bis zu dieſem Zeit⸗ punkt ſchriftlich das Reſultat der an ſich gemachten Wahrnehmungen einzuſen⸗ den. Der Herr Kreis und Stadtgerichts⸗Phyſikus verpflichtete hierauf dle


