Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
163
 
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daß er mit der getreulichen Verwaltung ihres mütterlichen Erbgutes, und dem nichts in den Weg legen im Häuslichen, mit nichten gethan ſei, daß er viel mehr daran denken müſſe, der Jungfrau einen paſſenden Ehemann zu verſchaf fen. In aller Stille ſah der Kaufmann ſich mit prüfenden Bliken ſowohl un ter ſeinen Bekannten, als auch ſonſt in der Stadt um, und ließ ſeine Augen endlich auf dem Sohn eines wohlhabenden Handelsfreundes, Benedikt mit Namen, ruhen. Je mehr er hierauf die Sache überlegte, ja von allen Seiten herumdrehte, deſto annehmlicher erſchien ſie ihm. Nicht nur hatte der junge Benedikt von ſeinem Vater bereits ein eigenes Geſchäft übernommen, ſondern es mit Betriebſamkeit und Umſicht führend, war er durch daſſelbe ein gemach ter Mann, dabei von unbeſcholtenem, biegſamen Charakter, und nicht unge fälligem Aeußern.

Als Gabriel über alle dieſe Punkte bek ſich einig war, wußte er es zu veranſtalten, daß ein ehrbarer Chriſt und ihr beiderſeitiger Bekannter den jun gen Mann auf ſeine Stieftochter aufmerkſam machte und ihm dieſelbe in der Kirche zeigte. Wirklich war nichts weiter nöthig, um einen Feuerbrand in das Herz des ſo ſittſamen, ſonſt nur ſeinem Gewerbe nachgehenden Jünglings zu werfen. Benedikt kannte keine Ruhe Tag und Nacht, die Zahlen im Haupt- und Kontobuche tanzten mit Spina's Trippeltritten vor ſeinen Augen; kurz er raſtete nicht bis ſein Vater, und kaum daß er dem ehrwürdigen Manne ſelbſt dazu die gehörige Zeit gönnte, den Mantel über ſein Sonntagskleid werfend als Freiwerber mit ibm zu Senhor Gabriel ging; dabei war er troz ſeiner beſten Vorſäze immer viele Schritte voraus, daß der geſezte Begleiter ihm keuchend die bergaufſteigenden Straßen von Oporto nachfolgen mußte.

Als Gabriel Vater und Sohn daher kommen ſah, und ſpäter ihren An trag hörte, war er im Herzen und Benehmen gleich ſehr erfreut, doch ſprach er, zuförderſt für die Ehre, welche jene ſeinem Hauſe zugedacht, höflich dan kend, und den Eifer des jungen Benedikt's wahrnehmend, als ein redlicher und kluger Handelsmann, dem es allerdings darum zu thun, ſeine Waare vor theilhaft los zu werden, der aber doch den Käufer keineswegs betrügen und ſich die Kundſchaft verſchlagen will. Was er in ſorgfältigen und weitläufigen Worten darthat war kürzlich dieſes: daß Spina, neben ihrer anmuthigen Per ſon und kleinem Vermögen, auch noch ihr Köpfchen für ſich habe, und wie es zugehe, daß er ihr nicht, wie einem rechtſchaffenen Vater geziemlich, durch den Sinn fahren, noch ſie ſelbſt zu ihrem Glük zwingen dürfe.

Mit nicht minderen Worten oder Artigkeiten und einem gewiſſen liſtigen Schmunzeln entgegnete der alte Benedikt: daß die Mitgift ihn zufrieden ſtelle, und ſein Sohn ja verſuchen könne der Senhora zu gefallen; wenn es ſo weit wäre, ſie als Hausfrau heimzu führen, möge er alsdann ſehen, mit ihr zu recht zu kommen. Dagegen verſicherte der verliebte Jüngling, wofern es ihm nur gelänge, den Beifall der Schönen zu erhalten, er ihr gewiß in allen Stüken zu Willen leben wolle was ohnfehlbar das Beſte und Seligſte ſei daß ſie niemals in Verſuchung gerathen könne, über etwas mißgeſtimmt oder gar ungehalten zu werden, und der geehrte Handelsfreund ihm nur zu der Bekanntſchaft dieſer Liebenswertheſten ihres Geſchlechts verhelfen möge.

Da Gabriel die Angelegenheit ſo weit gefördert ſah, ſtand er nicht län get an die Jungfrau mit ſeiner Abſicht bekannt zu machen. Er ſagte ihr