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diziniſcher Werke ins Deutſche für ſeinen Unterhalt ſorgen mußte. Da in Leip⸗ zig damals kein mediziniſches Klinikum beſtand, ging H., um ſich auszubelden, nach Wien. Nachdem endlich ſeine Geldquellen ganz erſchöpft waren, begab er ſich, dazu aufgefordert und eingeladen, nach Hermannſtadt zu dem Gouverneur von Siebenbürgen, von Bruckenthal, bei welchem er ſaſt zwei Jabre lang die Stelle eines Hausarztes und Bibliothekars verſah und nebſtbei in der Stadt, alſo noch vor ſeiner Promotion, praktizirte. Er ging hierauf nach Erlangen, woſelbſt er am 10. Auguſt 1779 zum Doktor der Medizin kreirt wurde. Er praktizirte hierauf in verſchiedenen Orten und erhielt dann das Phyſikat in Gommern bei Magdeburg, wo er ſich mit der Tochter des dortigen Apothekers ehelich verband. Dann entſagte er aber meiſt der mediziniſchen Praxis und beſchäf⸗ tigte ſich mit der Schriftſtellerei. Es erſchienen von ihm mehrere ſchaz bare, beſonders chemiſche Werke, die größtentheils vielen Beifall erhielten.. 1789 reifte bei ihm zuerſt der Gedanke ſeines neu begründeten Syſtemes der Homsopathie, welchen er 1790 in elner Abhandlung im Hufeland'ſchen Jour⸗ nal:„Verſuch über ein neues Prinzip zur Auffindung der Heilkräfte der Arz⸗ neiſubſtanzen“ zuerſt ausſprach. Er lebte von da an in verſchiedenen Orten, ſtand eine Zeit lang einem Heil-Inſtitute für Wahnſinnige in Georgenthal vor, wendete ſich 1794 nach Braunſchweig, dann nach Königslutter, Hamburg u. ſ. w., überzeugte ſich immer mehr von ſeiner neuen Lehre und gab in ihrem Geiſte mehrere wichtige Werke heraus, worunter wir vorzüglich ſeinen„Or— ganon der Heilkunſt“(der ſchon 5 Auflagen erlebte) und ſeine„Reine Arz⸗ neimittellehre“ erwähnen. Doch machte ſein Syſtem erſt ſeit 1819 Senſation, zog ihm des halb noch mehr Widerſacher, als er ſchon früber erregte, zu, ge⸗
wann aber auch auf der andern Seite eine ſtarke unterſtüzende Parthei.—
1812 ging H. nach Leipzig und praktizirte dort eilf Jahre. Da man ihm aber daſelbſt, eigene Medikamente zu bereiten und aus zugeben nicht weiter geſtatten wollte, begab er ſich 1825, mit dem erhaltenen Titel eines herzogl. Anhalt⸗ Köthen'ſchen Hofraths, nach Köthen, wo er ſeitdem zahlreich konſultirenden Kranken homsopathiſch beiſteht. Jezt, in einem Alter von 80 Jahren, lebt er in ſehr großem Wohlſtande und ſein ganzes Thun verräth noch das Feuer eines jugendlichen Mannes, ſo daß er noch in dieſem hohen Alter, am 18. Januar d. J., ſich zum zweitenmale verehligte. Seinem Korper ſaͤhe man keine Spur des hohen Alters an, wenn nicht weiße Loken die Schläfen umwallten und die Zeit dem Schädel eine Platte auferlegt hätte. Klein und unterſezt an Ge⸗ ſtalt, iſt H. raſch und lebendig, jede Bewegung iſt Leben; die Augen verra⸗ then den Forſcher: aus ihnen ſpricht Jugendfeuer; die Geſichtszüge ſind ſcharf belebt, und wie dem Körper das Alter fremd zu ſein ſcheint, ſo iſt es auch dem Geiſte. Sein Gedächtniß iſt bewunderungswerth und ſeine Sprache feurig. Er iſt ein ſtarker Tabakraucher und trinkt keinen Wein; Weißbier aber darf nie auf ſeinem Tiſche fehlen. Außerdem iſt ſeine Lebensart einfach, nüchtern und patriarchaliſch. g. 5
Wir enthalten uns übrigens jeder Meinungs- Aeußerung über die Halt⸗
barkeit ſeines Syſtems und bemerken nur, daß der Kampf für und wider ſehr
leidenſchaftlich geführt wird. R. i
Herausgeber und Verleger renz Mleſe n,


