Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
159
 
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ſchiſſen können ſoll, wie ein Schiff durch das Waſſer. T.

Paris. Das Bulletin der Po⸗ lizei⸗Präfektur von Paris enthält fol⸗ gende nicht unintereſſante Raubgeſchich te, ohne den Schauplaz derſelben zu bezeichnen:Eine junge artige Dame, ſeit einiger Zeit Wittwe, ſuchte ſich über den Tod ihres unvergeßlichen Gatten durch den Beſuch eines präch⸗ tigen Ballfeſtes einigermaßen zu trö⸗ ſten. Sie ſtrahlte von Diamanten, und erntete allgemeine Bewunderung. Spät in der Nacht läßt ſie ihren Wagen vor fahren, ſteigt ein, und fährt nach Hauſe. Kaum war ſie im Wagen, als ein galanter Herr, der ſich bis dahin inkognito in eine Eke geſchmiegt hatte, ihr näher rükt, und ſich fürs erſte Glük wünſcht, daß ſie ſich ſtatt ihrer eigenen Equipage der ſeinigen habe bedienen wollen. Die Dame erſchrikt, ſie begreift nun, daß man ihre Be dienten hinterliſtig entfernt, und ein Räuber einen beſondern Wagen dem ihrigen ſubſtituirt habe. Ihr galan⸗ ter Begleiter bemerkt ihre Furcht, und erſucht ſie in den höflichſten Aus⸗ drüken ganz ruhig zu ſein, und weder für ihr Leben noch für andere ihr wer the Gegenſtände beſorgt zu ſein, nur bitte er ſich zum Andenken an dieſes beglükte Zuſammentreffen ihre ſämmt⸗ lichen Diamenten aus, deren, wie er lächelnd beiſezte, eine ſo reizende Witt

we gar nicht bedürfe. Sie mußte ſich zu dem Opfer entſchließen, und mit einem zärtlichen Handkuſſe beurlaubte ſich ihr Gefährte, B.

Paris. Man fpricht jezt in Pa⸗ ris viel- von dem Unglüke einer jungen Dame. Sie hatte einen Geliebten, der dem Spiele ſehr ergeben war, und legte ihm, als ſie auf ein halbes Jahr zu ihrem Oheime und Vormunde in die Bretagne reiſen mußte, eine Prüfung auf. Sie verſprach ihm Herz und Hand und damit ihr großes Vermögen, wenn er während ihrer Abweſenheit durchaus nicht ſpiele, verſicherte ihn zugleich, ſie werde ihn genau beobachten laſſen. Alfred, ſo hieß der junge Mann, ver⸗ ſprach Alles, was ſie wollte, wider⸗ ſtand allen Anerbietungen und Auffor⸗ derungen zum Spiele, und unterhielt ſich in der Geſellſchaft, welche er ge⸗ wöhnlich beſuchte, und das Spiel zu vergeſſen, mit einem jungen geiſtreichen Mädchen. Er vergaß dabei wirklich das Spiel, aber das Mädchen wurde ihm endlich unentbehrlich; er beſuchte die Geſellſchaft bald nur um ihretwillen, vergaß die frühere Geliebte, undſkurz vor der Rükkehr derſelben hatte er das Mädchen geheirathet. Die Verſchmähte erfuhr ihr Unglük noch am Tage ihrer Ankunft und ſchon am zweiten ver⸗ ſchloß ſie ſich für immer in einer klo⸗ ſterähnlichen Anſtalt.

B.

Bilder⸗ Gallerie. Nr. 2.

Dr. Hahnemann.

Samuel Chriſtian Friedr. Hahnemann, der berühmte Stifter des homöo⸗ pathiſchen Heilſyſtems, iſt zu Meißen im J. 1755 geboren und iſt daher jezt ein achtzigjähriger Greis. Sein Vater war Maler in der dortigen Porzellan⸗Ma⸗ nufaktur. Im J. 1775 bezog Hahnemann die Leipziger Univerſität. Seine ganze Baarſchaft beſtand in 20 Thalern; mehr vermochte ihm ſein Vater nicht zu geben, und er daher durch Sprachunterricht und Ueberſezen engliſcher me