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—„Ja. Ich werde in meiner Garde ein Regiment Mamekuken haben 4 willſt Du es kommandiren“e b
„Sire, ich bin ſtets bereit, den Willen Ew. Majeſtät zu erfüllen, aber, wenn Sie mir einen Wunſch erlauben, ſo bitte ich, Sie nie berlaſſen zu dür fen.“ a
—»Out, lieber Freund! Ja, Ruſtan, bleibe immer bel mir und ver⸗ lange von mir, was Du brauchſt.“ 5
„Sire, ich bedarf nichts als die Gegenwart und das Wohlwollen Ew. Majeſtät.“
—„Sage mir, Ruſtan, wie wohnſt Du e.
„Ich bewohne ein kleines Zimmer in dem Pavlllon lora.““
o» Haſt du es nach türkiſchem Oeſchmake einrichten aſſen 6
„Nein, Sire.“
—„Du biſt dumm; laß es türkiſch einrichten, mein Junge.“
Der Kaiſer entfernte ſich und Ruſtan ließ, nach dem Willen des Kaiſers, ſeine Zimmer auf orientaliſche Art einrichten, einfach, aber ganz im Geſchmake ſeines Vaterlandes.
Die Mameluken langten in Paris an und erregten allgemeines Erſtau— nen; es war eine lebendige Trophäe, welche Aegypten Napoleon ſandte, und er nahm ſie mit dem befriedigten Stolze eines Siegers, aber auch mit ſo viel Wohlwollen an, daß die Fremdlinge in ſeinem Dienſte mehr eine Ehre, als eine Demüthigung finden mußten. Ruſtan beobachtete ſie ſehr aufmerkſam: dieſe Geſichter waren für ihn eine lebendige Erinnerung. Als die Offiziere dem Kaiſer vorgeſtellt wurden, blieb einer aus der Gruppe ſchüchtern zurük. Ruſtan ging auf ihn zu, redete ihn in der Mutterſprache an und erkannte ihn; es war Alib; Alib, der am Verlobungstage mit ihm aus dem nun ver⸗ lornen Becher getrunken hatte.
„und Nepptballe 2“ fragte Ruſtan faſt unwillkührlich.
—„Sie iſt todt!«
Und beide ſchwiegen einen Augenblik.
„Todt ohne Gatten?“ fuhr Ruſtan ſort, indem er auf Alib einen fun⸗ kelnden Blik warf, gleich der Klinge eines ſpriſchen Dolches.
—„Nein!“
„Und wen hat ſie geheirathet?““
4„Mich.“
„Dich 21 l
Ruſtan ließ die Hand Alibs los; die Augen wurden ihm nicht naß z er ſah ihn an, aber in ſeinem Blike lag jezt weder Zorn noch Unwille, ſondern eine unbeſchrelbliche Miſchung von Ueberraſchung und Mitleid.
5.
Zwei ganze Wochen waren ſeitdem vergangen; der Kaiſer hatte bereits die erſte Muſterung über das Regiment gehalten und wollte dann, daß Nuſtan und die Mameluken bei einem Feſtmahle beiſammen ſeien; bei dieſem Mahle gelobten ſich Alib und Ruſtan von neuem Freundſchaft und Vergeſſenheit des Vergangenen. Indeß beſchäftigte den Mameluken des Kaiſers fortwährend ein gebeimer Plan. Er ging häufig zu dem geſchikten Goldſchmidt Odiot, brachte gauze Stunden lang in der Werkſtatt beſſelben zu, und eines Tages ſah man


