Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
148
 
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Mann, um die reichen Foktoreten von Coromandel zu erobern oder zu verthei⸗ digen, und der friedliche Aegypter rief, erſtaunt über dieſes Kriegsgetümmel, Mabomed und ſeine alten Gözen, die Horden der Araber, den Aufruhr der Völker und den Fanatismus der Dolche zu Hilſe. Alles war durch die Schlach⸗ ten erſchüttert; von der Bai von Abukir bis nach Heliopolis glich Aegypten einem bald franzöſiſchen, bald engliſchen, bald arabiſchen Lager, und während dieſer Zeit gab ein Mann, den der Himmel zur Beberrſchung Europas be⸗ ſtimmt zu haben ſchien, an den Ufern von Suez Andeutungen von den großen Siegen, welche auf kurze Zeit die Reiche umgeſtalten ſollten. g

Die Aegypter merkten bald, daß ihre Nationalität dabel auf dem Spiele ſtehe. Umſonſt kamen die Sieger in Begleitung der Wiſſenſchaft, der Zivili⸗ ſation und der Aufklärung, das alte Aegypten erbebte bis in ſeine Gtundfe ſten; es war die Lehrerin des Abendlandes geweſen, und ſollte nun ſelbſt wie⸗ der mit den Waffen in der Hand Unterricht erhalten und Wohlthaten mittelſt Kanonen empfangen? Aegypten ſah in den Verſuchen der Franzoſen, den Bo⸗ den der Pharaonen zu einer Kolonie zu machen, nur den Verluſt ſeiner eige⸗ nen Individualität; es erzürnte ſich darüber, und Calro erhob zuerſt den Ruf des Aufſtandes, der einer ungeheuern Feuersbrunſt glich und die gauze fran⸗ zöſiſche Armee zu vernichten drohte. Sie wurde gelöſcht.

Da ſah man die Häuptlinge, gedemütbigt und beſiegt, das Haupt bis zur Erde neigen und um Verzeihung bitten. Eines Tages empfing Bonaparte, umgeben von ſeinem Stabe, den Beſuch des Schelks, welcher in Cairo befeh⸗ ligte, eines ehrgeizigen Mannes, deſſen Leidenſchaften die egyptiſche Sache mehr als einmal an den Rand des Verderbens gebracht hatten, und ber ſich jezt mit dem Sieger ausſöhnen wollte, deſſen Macht er ſich gegen ſeine Mitbewer⸗ ber zu bedienen gedachte. Der junge General war ganz heiter und trank mit feinen Offlzieren auf das Wohl ihres ſchönen Vaterlandes. Der Scheik vergaß die Lehren des Propheten, nahm ein Glas Champagner an, das ihm Vona⸗ parte reichte, trank es auf einen Zug aus, bat aber dabei den Propheten, ihm dieſe Uebertretung an dem Tage zu vergeſſen, wann er über die ſchmale Brüke über dem Fegfeuer gehe.

Zwei arabiſche Pferde wieherten in dem Hofe des Hauptquartiers. Beide waren prachtvoll aufgezäumt und vom größten Werthe ein Geſchenk des Scheiks an Bonaparte.

Dieſer ſah die edlen Thiere mit Vergnügen, noch mehr aber als ſie zog ſeine Blike ein junger Mameluk an, der bei denſelben ſtand. Er war etwa achtzehn Jahre alt; ſein rundes Geſicht, ſein zarter, aber doch etwas brauner Teint, ſeine ſchöne Haltung, der Glanz und der gute Geſchmak ſeines Anzugs, ſein kriegeriſches und doch ſanftes Ausſehen, ſo wie ich weiß nicht wel cher Charakter von Treue und Hingebung entzükten den General.

Wem gehört der junge Manne fragte er den Scheik. ö

Er gehört zu meinem Hauſe.

Ich ſchäze mich glüklich, Ihnen denſelben an bitten zu können.

Und du, willſt du mit mir gehen?

Der Mameluk verneigte ſich; aus ſeinem ganzen Weſen ſprach ſo viel Freude und Hingebung, daß man ſehen konnte, ein höherer Wille habe ihn für immer an das Schikſal Napoleon Bonapartes gefeſſelt.

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